Deutschlands größter Energiekonzern drängt auf Tempo beim Einbau intelligenter Stromzähler. Eon fordert eine gesetzliche Pflicht für alle Haushalte und Sanktionen gegen säumige Netzbetreiber.
In der Debatte über den Fortschritt der Energiewende erhöht Eon den Druck. Deutschlands größter Energiekonzern spricht sich für eine verpflichtende Ausstattung aller Haushalte mit intelligenten Stromzählern aus. „Hätte ich einen Wunsch frei, wäre es ein verpflichtender Rollout von Smart Metern in Deutschland“, sagte Eon-Vertriebsvorstand Marc Spieker im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa und dpa-AFX in Essen. Eon ist zugleich Deutschlands größter Verteilnetzbetreiber.
Was ist ein Smart Meter?
Ein Smart Meter, auch intelligentes Messsystem (iMSys) genannt, ist ein digitaler Stromzähler. Er misst den Stromverbrauch und sendet diese Daten direkt an den Versorger und den Netzbetreiber. Von diesen beiden Gruppen kann er zugleich Daten empfangen, etwa, wenn im Zuge von Spannungen im Stromnetz und daher potenzieller Schwierigkeiten die Stromversorgung eines Gerätes gedrosselt werden muss. Zugleich können Haushalte mit einem Smart Meter einen dynamischen Stromtarif nutzen und dadurch ihre Stromkosten senken.
Bislang sind Netzbetreiber nur unter bestimmten Bedingungen zur Umrüstung bei privaten Kunden verpflichtet, etwa wenn in den Haushalten eine Wärmepumpe oder eine größere Solarstromanlage angeschlossen wurde. In Europa hinkt Deutschland daher bei der Umrüstung weit hinterher: Während in vielen Ländern die Smart-Meter-Quote bereits bei 80 Prozent und mehr liegt, waren es in Deutschland Ende September 2025 nur knapp vier Prozent – das entspricht gut zwei Millionen Geräten. Und das, obwohl bis 2032 jeder Haushalt mit einem Smart Meter ausgestattet sein soll.
Sanktionen für langsame Netzbetreiber gefordert
Dem Eon-Vorstandsmitglied ist das zu wenig: „Das geht zu langsam und das geht auch viel zu lasch. Dass die Netzbetreiber, die immer noch nicht vorankommen, nicht auch einfach mal sanktioniert werden, das ist nicht in Ordnung“, sagte Spieker. So sollten bei einer zukünftigen Smart-Meter-Pflichtausrüstung zu langsame Netzbetreiber nach einem Jahr das Recht verlieren, in ihrem Netzgebiet die Zähler auszuwechseln. Andere Unternehmen könnten dies dann übernehmen. Bis zum Jahresende 2025 hatte Eon nach eigenen Angaben hierzulande fast eine Million Geräte verbaut.
Eon: Kunden profitieren von Smart Metern
Für Eon sind Smart Meter nicht nur ein Baustein der Energiewende, sondern auch Grundlage neuer Geschäftsmodelle. „Dort, wo wir im Viertelstundenrhythmus unseren Kunden ihren Verbrauch nennen können, können wir ihm ganz andere Lösungen anbieten“, sagte Spieker.
Als Beispiel nannte er Großbritannien. Dort gibt es Tarife, bei denen Strom am späten Nachmittag teurer ist und zu anderen Zeiten weniger kostet. Die Kunden hätten ihr Verhalten angepasst und sparten im Schnitt fünf bis zehn Euro im Monat. „Das ist für viele Kunden megarelevant. Und das bringt die Leute dazu, ihren Verbrauch sinnvoll zu verschieben“, so Spieker.
Auch flexible Ladetarife für Elektroautos seien möglich. Haushalte mit Photovoltaikanlage könnten ihren Eigenverbrauch besser optimieren. Ist zusätzlich ein Energiespeicher vorhanden, lasse sich gezielt steuern, wann Strom eingespeist oder selbst genutzt wird.
Große Rolle im deutschen Stromnetz
Eon betreibt rund ein Drittel des deutschen Stromverteilnetzes. Der Konzern versorgt hierzulande etwa zwölf Millionen Strom- und zwei Millionen Gaskunden. Im Vorstand verantwortet Spieker sowohl das Geschäft mit Privatkunden als auch mit größeren Kunden. Dazu zählen auch Projekte mit Industrie und Kommunen, etwa beim Aufbau von Wärmenetzen.
-
Energiebranche in Aufruhr: So will Reiche Solarbesitzer zur Kasse bitten
-
Reform bis Mai: Neue EU-Regeln verbieten Gasheizungen ab diesem Datum
-
Energiewende in Gefahr: Hunderte Netzbetreiber ignorieren Smart-Meter-Pflicht
Für Eon ist der flächendeckende Einsatz intelligenter Zähler damit nicht nur eine technische Frage. Er gilt als zentrale Voraussetzung, um Stromnetze flexibler zu steuern, erneuerbare Energien besser zu integrieren und neue Tarife am Markt durchzusetzen.




