Inkasso ist kein Dienst, sondern die raffinierte Verlängerung staatlicher Gewalt – getarnt als Bürojob. Es ist die Kunst, Armut in eine Ressource zu verwandeln und seelische Verwüstung als Geschäftsmodell zu optimieren. Diese Firmen wirken wie Behörden, sprechen wie Richter und treten auf wie Priester eines Glaubens, der nur einen Gott kennt: die Verwertbarkeit des Menschen.
Bevor der erste Drohbrief landet, hat das System seine Opfer längst vorbereitet. Schule lehrt Gehorsam statt Selbstschutz, Wirtschaft verkauft Schulden als Freiheit, Politik segnet das Ganze ab und nennt es Ordnung. Wenn der Mensch dann im Sumpf versinkt, erscheint Inkasso nicht als Unfall, sondern als erwarteter Erntemoment.
Ihre Schreiben sind keine Mitteilungen – es sind psychologische Schläge, die Scham erzeugen sollen, bis der Betroffene sich selbst als Störung sieht. Und genau diese Scham ist der Motor des Geschäfts: Wer sich wertlos fühlt, kniet freiwillig.
Staat und Inkasso funktionieren wie zwei Hände derselben Maschine. Die eine erschafft die Armut, die andere kassiert sie ab. Die Rolle der Aufsicht ist nicht Kontrolle, sondern Tarnung. Deshalb gedeihen Betrugsnetzwerke in diesem Umfeld so gut – weil sie nicht gegen das System arbeiten, sondern mit ihm.
Dieses Konstrukt zerfällt erst, wenn Menschen aufhören, sich als Schuldmaterial behandeln zu lassen. Wenn Angst nicht mehr wirkt, bricht die Macht. Wenn niemand mehr zahlt, kollabiert die Drohkulisse. Und was dann übrig bleibt, ist die Wahrheit:
Ohne Opfer existiert der Täter nicht.
