22. Januar 2026

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Blackout auf Helgoland: Hochseeinsel ohne Strom und Wasser

 

Mitten auf hoher See und völlig auf sich gestellt: Die Nordseeinsel Helgoland wagt ein heikles Experiment. Für einige Stunden wird die komplette Versorgung gekappt.

Helgoland – Was passiert, wenn eine Insel plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten ist? Helgoland testet im Januar den Ernstfall: kein Strom, kein Wasser, keine Kommunikation. Nach dem dramatischen Stromausfall in Berlin soll der kontrollierte Notfall aufzeigen, ob es Schwachstellen der Inselgemeinschaft mitten in der Nordsee gibt – und wo diese liegen.

 

 

Am 21. Januar, pünktlich um 23 Uhr, gehen auf Helgoland die Lichter aus. Nicht aufgrund eines technischen Defekts, sondern geplant – und kontrolliert. Deutschlands einzige Hochseeinsel, 50 Kilometer von der Nordsee-Küste entfernt, startet ein großes Experiment: Fünf Stunden lang wird die komplette Infrastruktur für die rund 1500 Bewohner und natürlich auch alle Gäste der Insel lahmgelegt – gewollt und ganz gezielt. Der stellvertretende Bürgermeister ist jedoch zuversichtlich: „Das wird schon gut gehen“, sagte Lothar Plumhof am Montag (19. Januar) im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung.

Nordsee-Insel ohne Verbindung zum Festland: Strom- und Wasserversorgung wird für Stunden eingestellt

Kein Strom, kein Wasser, keine Heizung: „Der Test wird über die Versorgungsbetriebe Helgoland durchgeführt, er ist wichtig, um Helgoland krisensicher zu machen“, erklärt Plumhof die ungewöhnliche Maßnahme. Erst Anfang des Jahres erlebte Berlin einen dramatischen Stromausfall, der 50.000 Haushalte tagelang lahmlegte.

Was auf dem Festland bereits eine Herausforderung darstellt, könnte für die Hochseeinsel zum noch größeren Problem werden – wenn beispielsweise die neuen, noch nicht abgenommenen Notaggregate nicht funktionieren. Helgoland wird seit 2009 mit einem 53-Kilometer-Kabel, dem längsten Seekabel innerhalb des deutschen Hoheitsgebietes, von St. Peter Ording in Schleswig-Holstein aus mit Strom versorgt. Die Notstromerzeugung muss greifen, wenn diese einzige Verbindung unterbrochen ist.

Die Versorgungsbetriebe Helgoland GmbH koordinieren das komplexe Unterfangen. Ab 23 Uhr in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag werden sukzessive alle Systeme heruntergefahren; das Seekabel zum Festland wird „gekappt“. Die Auswirkungen sind weitreichend: Ohne Strom funktionieren die Wasserpumpen nicht mehr, die Trinkwasserversorgung ist unterbrochen: „Darum haben wir alle angehalten, sich Wasserreserven abzuzapfen“, berichtet Kay Martens, Geschäftsführer der Versorgungsbetriebe Helgoland.

Die Heizungen bleiben kalt, die Straßenbeleuchtung erlischt, Kommunikationssysteme fallen aus. Für die Bewohner bedeutet das: Kerzen und Taschenlampen werden zu wichtigen Gegenständen, empfindliche Geräte sollten vom Netz genommen werden. „Tatsächlich werden es aber die meisten gar nicht bekommen. Wir haben für den Test extra eine Zeit im Jahr ausgewählt, in der kaum Einheimische und noch weniger Urlauber auf der Insel sind“, berichtet Plumhof, „und in der betreffenden Zeit zwischen 23 Uhr und 4 Uhr morgens liegen wohl fast alle schlafend in ihren Betten.“

Blackout auf hoher See: Helgoland probt für den Ernstfall

Kritisch wäre die Situation für das örtliche Krankenhaus und die Senioren der Insel, wäre man nicht vorbereitet. Die Versorgung sei jedoch für Krankenhäuser, Polizei und Feuerwehr über Notstromgeneratoren sichergestellt. Dennoch werde der künstliche Blackout auch diese Notstromsysteme auf ihre Belastbarkeit testen: „Wir wollen wissen, ob es eventuell Schwachstellen gibt, und wo diese liegen“, so Martens.

 

 

https://www.kreiszeitung.de/lokales/schleswig-holstein/und-wasser-blackout-auf-helgoland-hochseeinsel-ohne-strom-94130755.html