Im Frühjahr 1909 stieg der Feldforscher Georg Kühn in eine Spalte in der Ostwand der Elbschlucht hinab, angeheuert von den Königlichen Museen zu Berlin. Elf Stunden später kam er mit rot verfärbten Händen und einem in Wachstuch gewickelten Bündel wieder heraus und sagte vier Worte: „Da unten ist eine Stadt.“ Eine Woche später beschrieb der Dresdner Anzeiger auf seiner Titelseite ein fast zwei Kilometer langes Gangsystem mit ausgehauenen Kammern, Tafeln voller hieroglyphenartiger Symbole, gehärteten Kupferinstrumenten und einer viereinhalb Meter hohen, sitzenden Steinfigur in der tiefsten Kammer. Innerhalb eines Monats erklärte das Museum, es gebe keinerlei Aufzeichnungen über Georg Kühn — keine Dementierung des Fundes, sondern die Leugnung, dass der Mann jemals existiert hatte. Der Artikel wurde nie wieder abgedruckt.
Die Sorben, das slawische Volk dieses Landes, hatten ihre Ältesten seit Generationen gewarnt: Betretet nicht die Höhlen in der Ostwand, denn was darin liegt, war schon vor uns da. Der Lokalhistoriker Walter Hartmann schrieb 1910 sieben Briefe und erhielt zwei Absagen; sein Tagebuch liegt heute in einem sächsischen Archiv. Der betreffende Abschnitt der Ostwand ist bis heute gesperrt, ohne dass ein geologischer Grund je aktenkundig wurde, und die Felsformationen dort tragen fremde, uralte Namen, die ein Vermessungsingenieur in den 1880er Jahren in die offiziellen Karten eintrug. Fund — Bericht — Leugnung — Sperrung: dasselbe Muster, das sich im alpinen Anthrazit des Wallis, in der Kupferader des Mansfelds und in den Kammern unter der Alb wiederholt.
