Ich freue mich, euch zur ersten Episode von „Der Demokrator“ begrüßen zu dürfen, denn es gibt kaum etwas Beruhigenderes, als zu wissen, dass sich jemand anderes um alles kümmert. Heute spreche ich über Umweltschutz, also über jene wunderbare Disziplin, in der Demokratie zeigt, wie fürsorglich sie wirklich ist, wenn man ihr einfach vertraut.
Ich persönlich finde, es gibt kaum etwas Ästhetischeres als eine frisch planiert gerodete Waldfläche. Wo früher unkontrolliert Bäume standen, Laub fiel und Vögel machten, was sie wollten, herrscht nun Ordnung. Statt dieses wilden Grüns stehen dort jetzt Solarpaneele in perfekter Ausrichtung und erzeugen für uns saubere Energie. Bäume verbrauchen schließlich Platz, werfen Schatten und produzieren Laub. Strom dagegen ist effizient, berechenbar und vor allem politisch korrekt. Wer braucht schon Wälder, wenn ich später mit Klimaanlagen das Klima in meiner Wohnung regulieren kann.
Ich sehe darin einen großen Fortschritt. Ohne Bäume gibt es kein Laub mehr, und ohne Laub brauchen wir keine Laubbläser. Das spart Lärm, Arbeit und Emissionen. Demokratie denkt eben weiter. Sie löst Probleme nicht halb, sondern vollständig. Wenn etwas stört, wird es nicht verwaltet, sondern beseitigt. Das nenne ich konsequenten Umweltschutz.
Natürlich profitiere ich auch ganz persönlich davon. Die saubere Energie sorgt dafür, dass ich mich im Sommer angenehm abkühlen kann, wenn es draußen immer wärmer wird. Dass es draußen wärmer wird, ist kein Fehler, sondern Teil der Umweltpolitik. Erst wird es heiß, dann wird gekühlt. Hauptsache, der Strom dafür stammt aus einer Fläche, auf der früher unnützer Wald stand. Komfort ist schließlich auch Nachhaltigkeit.
Besonders dankbar bin ich für die weiteren Erleichterungen, die mir die Demokratie schenkt. Sie nimmt mir die Last der Mobilität ab, indem sie mich in überschaubare 15-Minuten-Zonen einordnet. Alles, was ich brauche, ist in Reichweite. Autos, diese lauten, gefährlichen und überflüssigen Symbole individueller Freiheit, werden mir bald freundlicherweise abgenommen. Sie verursachen Emissionen, Stress und rasen gelegentlich sogar in Weihnachtsmärkte. Ohne Auto lebe ich sicherer, ruhiger und vor allem regelkonformer.
Am schönsten finde ich jedoch, dass mir die Demokratie bald auch den Besitz abnimmt. Deswegen ist es nur legitim, die Steuersätze für Grundstücke soweit anzuheben, dass sie sich keiner leisten kann. Es wird herrlich: Keine Bäume, keine Fahrzeuge, kein Eigentum und keine Verantwortung. Ich darf glücklich sein, weil ich nichts mehr habe, worüber ich mir Gedanken machen müsste. Alles Wichtige wird für mich demokratisch entschieden, und das fühlt sich erstaunlich gut an.
So erlebe ich eine Welt, in der Wohlstand gesichert ist, weil er verwaltet wird, und Freiheit kein Problem mehr darstellt, weil sie optimal geregelt ist. Eine Welt ohne Wald, ohne Besitz und ohne Widerstand, dafür aber mit sauberem Strom, kühlen Räumen und dem beruhigenden Gefühl, dass Demokratie immer weiß, was gut für uns ist.
