In deutschen Apotheken reißen die Lücken nicht ab: Mehr als 500 Medikamente sind aktuell schwer oder gar nicht verfügbar. Branchenvertreter schlagen Alarm – und warnen vor einem schleichenden Rückzug aus der flächendeckenden Versorgung.
Die Versorgungslage mit Medikamenten in Deutschland bleibt angespannt. Nach aktuellen Daten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind derzeit mehr als 500 Arzneimittel von Lieferengpässen betroffen.
Zwar hat sich die Situation seit den Hochphasen der Corona-Pandemie in einzelnen Bereichen etwas entspannt, doch in vielen Apotheken bestehen weiterhin erhebliche Lücken im Sortiment. Besonders betroffen sind unter anderem Erkältungs-, Schmerz- und Magen-Darm-Mittel.
Als zentrale Ursachen gelten anhaltende Probleme in den globalen Lieferketten sowie steigende Produktions- und Beschaffungskosten. Gleichzeitig sind die Preise für viele Medikamente staatlich reguliert, sodass Hersteller und Großhändler Kostensteigerungen kaum weitergeben können.
Der pharmazeutische Großhandel sieht sich dadurch zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Nach Berechnungen des Branchenverbands Phagro können rund 65 Prozent der verschreibungspflichtigen Medikamente nicht mehr kostendeckend gehandelt werden.
Die Folge könnte eine weitere Ausdünnung der Versorgung sein. Branchenvertreter warnen, dass sich Großhändler künftig stärker auf wirtschaftlich tragfähige Produkte konzentrieren könnten, was die flächendeckende Versorgung zusätzlich gefährden würde.
Ein strukturelles Problem liegt zudem in der internationalen Abhängigkeit der Produktion. Ein Großteil der Wirkstoffe, insbesondere für günstige Generika, wird inzwischen in Asien hergestellt. Störungen in diesen Lieferketten wirken sich unmittelbar auf die Versorgung in Deutschland aus.
Hinzu kommt, dass sich immer mehr Hersteller aus der Produktion von Generika zurückziehen. Die Margen liegen hier oft nur im Cent-Bereich, während sich mit patentgeschützten Medikamenten deutlich höhere Gewinne erzielen lassen.
Vor diesem Hintergrund fordert der Großhandel politische Gegenmaßnahmen, insbesondere eine Anpassung der Vergütungssysteme. Ohne entsprechende Reformen droht nach Einschätzung der Branche ein spürbarer Rückgang des bisherigen Versorgungsniveaus für Patienten in Deutschland.
Medikamentenmangel in Deutschland weitet sich aus – Apotheken warnen vor sinkendem Versorgungsniveau
