WASHINGTON. In einem Interview mit dem US-Sender Fox News hat Larry Fink die Frage bejaht, ob die „Ära der Wokeness ein gescheitertes Experiment“ sei. Auf eine entsprechende Konfrontation des TV-Moderators entgegnete der CEO von BlackRock: „Ja, die Gesellschaft verändert sich, das Pendel schwingt ständig hin und her.“
Und er ergänzte selbstkritisch: „Denke ich, dass das Pendel vor fünf Jahren zu weit ausgeschlagen war? Ja, ich denke, heute sind wir pragmatischer. Ich bin auch pragmatischer.“ Damit meinte er den massiven Druck, den sein Unternehmen, das mehr als 12,5 Billionen Dollar verwaltet (JF berichtete), auf Kunden gemacht hatte. BlackRock galt bisher als größter Einflussnehmer in Sachen Nachhaltigkeit und linker Gesellschaftspolitik.
Das Finanzunternehmen zwang durch seine Macht andere Unternehmen zu sogenannter DEI-Politik, mit der Diversität, Gleichheit und Inklusion gemeint sind. Fink wollte weltweit den sogenannten „woken Kapitalismus“ durchsetzen.
BlackRock scheitert mit Energiewende
Seinen Ideologiewechsel begründete der 73jährige nun am Beispiel von Investitionen in den Energiesektor. Dort genossen sogenannte Erneuerbare bei BlackRock höchste Priorität. Doch jetzt dämmerte ihm, dass man damit den Energiehunger der Welt nicht stillen kann: „Wegen Künstlicher Intelligenz und des großen Bedarfs an Energie und Strom kann es heute nicht nur einen Weg geben.“
In dem Fox-News-Interview behauptete Fink, BlackRock wollte Unternehmen in der Vergangenheit nicht politisch lenken: „Das war nie unsere Absicht.“ Er blieb beim Beispiel Energie: „Unsere Verantwortung besteht darin, sicherzustellen: Wenn einer unserer Investoren zu hundert Prozent in fossile Energie in Texas investieren will, lege ich hundert Prozent des Geldes in Texas an. Wenn ein anderer Staatsfonds möchte, dass wir ausschließlich in grüne Energie investieren, werden wir das tun – es ist schließlich sein Geld.“
Fink will sich offenbar dem politischen Wandel in weiten Teilen der Welt – nicht zuletzt in den USA – anpassen. „Ich denke, die Gesellschaft entwickelt sich in eine positivere Richtung und wird pragmatischer.“ Offenbar brachte auch der massive Druck seiner Anleger ihn zum Umdenken: „Was Sie von mir hören, ist nichts anderes als das, was wir von unseren Kunden hören.“
Merz war Aufsichtsratsvorsitzender
BlackRock hatte sich bereits vor gut einem Jahr aus der „Initiative klimaneutraler Vermögensverwalter“, der „Net Zero Asset Managers Initiative“, zurückgezogen und investierte wieder mehr in klassische Branchen. Fink berät weltweit Regierungen und Notenbanken, darunter die Fed in den USA und die EZB in Frankfurt am Main.
Der heutige Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) war von 2016 bis 2020 Aufsichtsratsvorsitzender der BlackRock Asset Management Deutschland. (fh)
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