Die deutsche Energiewende-Politik hätte auch ohne die Kriege in der Ukraine und jetzt im Nahen Osten ins Desaster geführt, aber jetzt passiert es schneller und heftiger. Als Deutschland wegen des Ukraine-Kriegs aufs russische Pipeline-Gas verzichtete, waren die Regierenden emsig unterwegs, um nach neuen Quellen für den deutschen Gas-Erwerb zu suchen. Klar war für sie: Ein Teil des benötigten Gases müsse als Flüssigerdgas (LNG) erworben und transportiert werden, weshalb an deutschen Küsten bekanntlich eilig neue LNG-Terminals gebaut wurden. Die Nachfrage nach LNG wuchs, denn auch andere EU-Staaten wollten Russland mit der Drosselung und Einstellung von Gas-Käufen für den Einmarsch in der Ukraine bestrafen. Legendär ist die Bettel-Tour des ehemaligen deutschen Energie-Ministers Robert Habeck im Jahr 2022. Vor allem das Foto von seiner tiefen Verbeugung vor dem Emir von Katar wurde zu einem Sinnbild deutscher Energiepolitik. Katar galt und gilt als der weltgrößte LNG-Lieferant.
Zwar wurde seinerzeit viel davon gesprochen, dass Deutschland unabhängiger von einzelnen Energieexporteuren werden müsse, doch die sogenannte Energiewende-Politik der letzten Bundesregierungen machte das Land immer abhängiger von einem Energieträger, dem Gas. Die Kernkraftwerke sind schon abgeschaltet und das Ende der Kohleverstromung ist auch schon fest terminiert. Da aber Sonne und Wind nicht grundlastfähig sind, egal wie viele Quadratkilometer des Landes mit Solarfeldern und Windparks zugebaut werden, setzt der deutsche Energiewende-Plan zunächst auf neue Gaskraftwerke, um einen Zusammenbruch der Energieversorgung zu vermeiden. Doch für deren Betrieb wird – welch ein Wunder – zusätzlich Gas in beachtlichen Größenordnungen gebraucht.
Der grüne Plan war bekanntlich, dass die Deutschen das Heizen mit Gas einstellen sollten, um den Verbrauch zu senken. Stattdessen sollten sie mit Wärmepumpen heizen, also im richtigen Winter de facto mit Strom. Dieser wiederum würde dann in Gaskraftwerken produziert. Angesichts solcher deutschen Regierungspläne erscheint es immerhin logisch, dass die Geschichten der Schildbürger einst in deutschen Landen geschrieben wurden.
Irans Drohnen-Treffer beim wichtigsten LNG-Lieferanten
„Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser“, hieß es 1898 von Kaiser Wilhelm II. Bis gestern glaubten etliche Regierungsmitglieder, Deutschlands Gas-Zukunft läge zum Teil ebenfalls auf dem Wasser und wäre auch dank der regelmäßigen Ankunft von LNG-Tankern gesichert. Als Zweifler an der Energiewende und andere notorische Nörgler in den letzten Wochen darauf hinwiesen, wie bedenklich leer die deutschen Gasspeicher seien, mussten sie sich belehren lassen, dass es gar nicht mehr wirtschaftlich sei, sie stärker zu füllen, da sich das Gas heutzutage jederzeit zu moderaten Preisen beschaffen lasse. Trotz aller bekannten Krisen und Kriege schienen sich die Gas-Illusionisten nicht vorstellen zu können, wie schnell der Iran zumindest den Flüssiggas-Traum mit ein paar Drohnen-Treffern in Katar zerbomben kann.
Das funktioniert, weil Katar weltweit zu den wichtigsten LNG-Lieferanten gehört. Der Konzern Qatar Energy ist für rund 20 Prozent der weltweiten LNG-Versorgung verantwortlich. Dieser Staatskonzern hatte nun gestern überraschend angekündigt, die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) in der weltweit größten Exportanlage in Ras Laffan an der katarischen Nordküste einzustellen. Auch in der Anlage Mesaieed südlich der Hauptstadt Doha werde demnach vorerst kein LNG hergestellt, hieß es in Medienberichten.
Zwar bezieht Deutschland – trotz der damaligen tiefen Verbeugung Robert Habecks vor dem Emir – bislang kaum LNG-Gas aus Katar, aber immerhin sind inzwischen mehr als zehn Prozent der deutschen Gas-Importe LNG-Gas. Die kommen zwar zum allergrößten Teil aus den USA, aber der Drohnen-Einschlag in Katar mit folgendem LNG-Produktionsstop hatte einen explosionsartigen Preisanstieg zur Folge. Nach Angaben von n-tv stieg der als Referenzwert betrachtete niederländische Gaskontrakt TTF gestern Mittag quasi auf einen Schlag um mehr als 50 Prozent nach oben und notierte zeitweise auf dem Jahreshoch von 47,70 Euro pro Megawattstunde. Experten würden mit einem Anstieg auf 100 Euro rechnen, hieß es. Und steigende Marktpreise wird Deutschland ebenfalls zahlen müssen, egal woher das konkrete Gas-Schiff kommt.
Niemand kann sagen, wie lange der Produktionsstopp in Katar andauert. Die kargen Meldungen klangen zunächst so, als hätten die Drohnen-Treffer keine allzu schweren Schäden angerichtet. Aber noch ist öffentlich nichts Genaueres und kaum Belastbares bekannt. Wie immer im Krieg müssen sich Berichterstatter und Kommentatoren durch einen eher diffusen Informationsnebel tasten. Real sind auf jeden Fall die Gaspreise in Rekordhöhe. Und selbst wenn die Drohnentreffer so wenig Schaden angerichtet haben sollten, dass Katar die LNG-Produktion bald wieder aufnehmen kann, sollte es für die deutschen Energiepolitiker ein Warnschuss sein. Ein Land wie Deutschland braucht eine größtmögliche Diversität bei den Energieträgern, um nicht von einem oder von Wind und Wetter abhängig zu sein. In der Digitalisierungs-Ära wird – wie sich beobachten lässt – der Energiehunger zudem immer größer. Da kann ein Land, das wirtschaftlich noch in der ersten Liga mitspielen will, ohne Not auf keinen praktikablen Energieträger verzichten.
War der Warnschuss nicht laut genug?
Die Bundesregierung wollte übrigens in diesem Jahr beginnen, LNG direkt aus Katar zu beziehen. Der devote Bückling von Robert Habeck wurde seinerzeit nämlich mit einem längerfristigen Liefervertrag honoriert. Über Wilhelmshaven sollen jährlich zwei Millionen Tonnen geliefert werden, mindestens 15 Jahre lang. Wann diese Lieferungen beginnen, ist derzeit selbstredend ungewiss. In jedem Fall wird es aktuell teurer und das wird sich alsbald im Gaspreis für die Endkunden niederschlagen. Zudem steigt der Ölpreis bekanntlich seit Beginn des aktuellen Iran-Kriegs deutlich. Keine kommode Situation, aber man könnte etwas daraus lernen. Eine „Energieunabhängigkeit“, von der die Energiewender so gern reden, erreicht nur, wer– wie schon gesagt – alle Energiequellen nutzt und sich keine aus rein politischen oder ideologischen Gründen verbietet.
Die Grünen – wie erläutert entscheidend mitverantwortlich für die gestiegene Abhängigkeit vom Gas – wollen jetzt allen Ernstes den iranischen Warnschuss auf deutsche Energieträume dahingehend interpretieren, dass nun – gemäß ihrer politischen Marschrichtung – Deutschland auch so schnell wie möglich noch auf den letzten technisch verlässlichen Energieträger verzichten sollte. Das hieße, Deindustrialisierung und Wohlstands-Absturz noch zu verstärken und zu beschleunigen. Wollen das wirklich so viele Bürger, die weiterhin grün wählen? Wenn ja, ist ihre Wahlentscheidung nicht zu beanstanden. Man darf sich in einer freien Gesellschaft auch die Demontage des eigenen Gemeinwesens wünschen. Aber wenn sie die Wahlentscheidung nur aus lieb gewonnener Gewohnheit treffen und dabei nicht an die Folgen denken, ist es fatal für fast alle Beteiligten. Vielleicht war der Warnschuss der iranischen Drohnen am Ende noch nicht laut genug. Eine erste Ahnung davon werden wir wohl in ein paar Tagen am ersten Wahlsonntag dieses Jahres bekommen.
https://www.achgut.com/artikel/iran_zerstoert_deutsche_fluessiggas_illusion
