8. Februar 2026

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DAS DIGITALE DILEMMA

 

An mehreren Orten in Ihrem Haus wäre ein Telefonapparat eine große Erleichterung und ein Komfort für Sie und Ihre Familie. Zum Beispiel in Ihrer Küche. Ein Telefonapparat an dieser Stelle würde Ihnen jeden Tag unzählige Schritte ersparen. ……… [Sprecher:] Es stimmt wohl, wenn Großeltern sagen: Früher war alles anders und manchmal auch schwerer. Und die Erfolgsgeschichte des Telefons ist ein gutes Beispiel. Sie ist zweifellos einzigartig und faszinierend. Bereits 1928 gelang die erste Verbindung quer über den Atlantik, zwischen London und New York. In der Folge entwickelte sich die Kommunikationstechnik unaufhaltsam rund um den Globus. Bis 1960 etwa erfolgte die damals noch notwendige Vermittlung durch weibliche Telefonistinnen. Das „Fräulein vom Amt“ war eine gängige Bezeichnung für die charmanten Damen. 1983 stellte Motorola schließlich ein marktfähiges mobiles Telefon vor. Als Handy oder Autotelefon galt es zunächst als Statussymbol für wichtige Menschen. Mittlerweile werden schon die Kleinsten scheinbar spielerisch in die bunte Welt der mobilen Kommunikation eingeführt. Nach dem Motto „früh übt sich“, boomt der Handel mit der verführerischen Ware. Das Smartphone ist ein Kleincomputer, ein Alleskönner, mit integrierter Videokamera, die qualitativ hochwertige Bilder liefert, so wie hier. Bewegte Bilder, die dann ganz ohne Zeitverlust zum Beispiel an die Großeltern geschickt werden können. Kein Wunder also, dass für die heranwachsenden Jugendlichen das Smartphone oft die Hauptrolle in ihrem Alltag spielt. Das Leben findet in erster Linie über das digitale Spielzeug statt. Immer mehr Jugendliche träumen von einer Internetkarriere als Influencer mit Millionen Followern. Das Smartphone ist überall und immer dabei und die Gesellschaft marschiert gebannt in die völlige Abhängigkeit. Ausgelöst durch das überall sichtbare extreme Nutzerverhalten hat der Hamburger Künstler Thorsten Kirsch das Phänomen zeichnerisch auf eine heitere, ja satirische Art festgehalten. Sein interaktives Buch „Smartphone Zombies Diary“ kombiniert Milieustudien mit passenden Kommentaren. [Thorsten Kirsch, Künstler, Hamburg:] Also so wie ich das empfinde, sind das komplette Kontrollverluste, die ich eigentlich nur von Menschen, die Drogen und Alkohol konsumieren, erwarte. Und das wurde dann im Alltag die Regel, dass ich vom Fahrrad geholt wurde fast, dass ich umgeben war von Leuten, die dieses Gerät haben – und verschwunden waren, mich nicht wahrnahmen, mich gefährdeten, ihre Kinder gefährdeten, sich nicht mehr sozial angepasst bewegten durch die Welt. Und dann habe ich natürlich tatsächlich an dieses Thema, diesen Voodoo-Kult, an das Zombie-Dasein, diese Fernlenkung gedacht. Da hatte sich dann auf einmal ein unglaubliches Feld aufgetan. Ich musste das auch aus Eigenschutz machen, weil ich tatsächlich auch selbst schon ein Smartphone hatte und tatsächlich spürte, was das für ein Potenzial hat, dass ich da wirklich von angefixt werde. Satire oder Realsatire scheint eine passende Formel für den Umgang mit dem digitalen Wahnsinn und dem gesellschaftlichen Dilemma. Das interaktive Buch „Smartphone Zombies Diary“ enthält auch Audiokommentare aus der Nachrichtenwelt. Silicon Valley: Ärzte vergleichen die Abhängigkeit vom Smartphone mit klassischen Abhängigkeiten wie Alkohol oder Nikotin. Haben wir eigentlich noch die Kontrolle über unser Verhalten? Oder sind unsere Handlungen längst, von wo aus auch immer, fremdgesteuert? Bei der sogenannten digitalen Bildung überwiegen politische Fehlentscheidungen, die in vielen Ländern bereits korrigiert werden. Zuletzt flogen die Tablets in China und Schweden aus dem Unterricht. Handys aus, Bücher auf! forderte der Spiegel im September 2023 aus gutem Grund. Digitales Lernen schadet der Leseförderung. Sydney: Im Jahr 2012 wurden nach einer schlechten Platzierung im PISA-Ranking mehrere Milliarden australische Dollar für die Anschaffung neuer Laptops an Schulen investiert. Ab 2016 wurden die Geräte jedoch wieder eingesammelt. Zwar wurden sie ausgiebig genutzt, jedoch nur selten für schulische Zwecke. Vergleichbare Erfahrungen gab es in Südkorea, Thailand, den USA und der Türkei. Derweil fabriziert die digitale Welt immer absurdere Produkte. Im Zuge der Vernetzung aller Dinge „Internet of Things“, meldet die Babywindel digital, wann sie gewechselt werden muss; die Kühlschränke, wann sie aufgefüllt gehören; und die Digitalgabel, ob wir uns auch kalorienarm ernähren. Und nicht zu vergessen die super smarte Wasserflasche, denn sie regelt unser Trinkverhalten. Unsere Vorlieben sind digital erfasst und die Marketingstrategen konzipieren ständig neue Apps, die uns zum Beispiel melden, ob wir uns richtig kämmen. Needfull Things, nützliche Dinge, nennt Zeichner Kirsch die Blüten der digitalen Welt. Achtung Satire. Die großen Mobilfunkanbieter werben derweil eifrig für eine faszinierende digitale Zukunft. 5G ist das Zauberwort. Die fünfte Generation des Mobilfunks verspricht eine schöne neue Welt. In der Smart City gibt es dann keine soziale Ungleichheit mehr, keine Konflikte, keine Graffiti, keine Kriminalität, ja eigentlich überhaupt keine soziale Welt. Das Zusammenleben ist nur noch virtuell. Technisch ist schon alles möglich, inklusive dem autonomen Fahren. Es muss nur noch ein wenig hochgerüstet werden, dann hat die Technik alles unter Kontrolle. Brüssel im Sommer 2023: Die belgische Hauptstadt zeigt sich an vielen Stellen als Großbaustelle. Wie alle Metropolen rüstet auch Brüssel für die Zukunft auf. Schließlich werden 2050 laut Forschung 70 Prozent der dann weltweit 10 Milliarden Menschen in den Großstädten leben. Die Installation für die digitale Überwachung der Massen ist im vollen Gange. Der Wandel ist sichtbar. Das Europäische Parlament hat in Brüssels Innenstadt seinen Sitz in einem repräsentativen Glaspalast. Digital aufgenommene Live-Übertragungen liefert das Parlament-TV täglich. Aktuelle politische Themen gibt es ja genug. Die zuletzt im Dezember 2022 aufgeflogenen Skandale um offensichtlich bestochene Parlamentarier, Koffer voller Bargeld und manipulierte Ausschusssitzungen sind Schnee von gestern. Alles scheint im Fluss geblieben wie bisher. Die Medien machen ihren Job. Ganz so, als hätte es den großen Korruptions- und Bestechungsskandal hier in Brüssel nicht gegeben. Business as usual. Kritiker sprechen schon von einer Kultur der Straflosigkeit. Eigentlich kann ja nicht sein, was nicht sein darf. Das gilt offenbar auch für das Thema Mobilfunk. Bereits 2020 hatten zwei Abgeordnete, die Biologin Michèle Rivasi von den französischen Grünen und der Physikprofessor Klaus Buchner von der Deutschen ÖDP, die Internationale Kommission zum Schutz von Nicht-Ionisierender Strahlung, also der Mobilfunkstrahlung, näher unter die Lupe genommen. Die kurz ICNIRP genannte Strahlenschutzkommission schützt seit Mitte der 90er Jahre tatsächlich die Strahlen, aber leider nicht die Verbraucher. Der Rivasi-Buchner-Report deckt fatale Missstände auf. [Prof. Dr. Klaus Buchner, Physiker, Politiker:] Das Hauptergebnis war, dass diese Leute Verbindungen zur Industrie haben. Dass sie also nicht unabhängig sind und dass sie manchmal – man muss ja immer angeben, ob man solche Verbindungen hat – dass sie da manchmal die nicht angegeben haben. Das heißt also: Es war schon eine Entdeckung von Dingen, die anders gelaufen sind, als sie laufen sollten. Die beiden Politiker haben es aufgedeckt. Ein privater Lobbyverein mit Verbindung zur Mobilfunkindustrie, der sich weltweit um den Verbraucherschutz kümmert und dabei wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch verharmlost. [Michèle Rivasi, Biologin, EU-Parlamentarierin:] Das sind Leute, die unter sich sind. Es ist eigentlich eine Gruppe, die dazu da ist, die Industrie zu promoten. [Charles Maxence Layet, Journalist, EU-Parlament:] Und es scheint so, als ob die Industrie die Festlegung der Normen und Grenzwerte an eine private Organisation vergeben hätte, damit die Industrie sagen kann: „Ich bin ja nicht diejenige, die das sagt!“ [Michèle Rivasi:] Aber natürlich! Nur sind es Leute, die von der Industrie abhängig sind und sich immer auf die Industrie beziehen. Und wenn sie einen Bericht erstellen, legen sie ihn erst der Industrie vor, um herauszufinden, ob die Industrie mit dem Bericht zufrieden ist. Es gab aktuell noch eine weitere Studie, unsere stammt bereits aus dem Jahr 2020. Jetzt gibt es eine weitere Studie von anderen Journalisten aus dem Jahr 2022, die genau das Gleiche zeigt. Sie sehen also: Bei einer echten, seriösen Untersuchung – egal, aus welchem Land sie kommt – stellt sich heraus, dass die ICNIRP [= Strahlenschutzkommission] nicht unabhängig ist, sondern in Wirklichkeit ein indirekter Ableger der Industrie. Außerdem bin ich als Biologin schockiert, weil die ICNIRP nur thermische Effekte anerkennt. Das bedeutet: Wenn man ein Handy an den Kopf hält, wird das Ohr warm. Das sind die thermischen Effekte, aber sie berücksichtigen in keiner Weise die athermischen Effekte, die das Nervensystem, das Hormonsystem usw. beeinflussen können. Es ist wirklich unglaublich, dass man das in einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht berücksichtigt. Das ist ein wissenschaftlicher Schwindel! Eigentlich ist es ein wissenschaftlicher Betrug, da man nicht alle Elemente berücksichtigt.………

 

 

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