8. Februar 2026

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Zwangsorganentnahmen in China: Schwere Vorwürfe beim Gipfel zur Religionsfreiheit

 

Organraub sei „etwas so Erschreckendes und Entsetzliches, dass viele Menschen nicht einmal daran denken wollen“, sagte die Co-Vorsitzende des Internationalen Gipfels zur Religionsfreiheit. Auf der diesjährigen Veranstaltung in Washington wurden dem chinesischen Regime von den Teilnehmern schwere Menschenrechtsverstöße angelastet – von der Verfolgung religiöser Gruppen bis zu Berichten über erzwungene Organentnahmen.

Bem diesjährigen Internationalen Gipfel zur Religionsfreiheit in Washington, D.C. haben ehemalige und amtierende Vertreter der US-Regierung erneut schwere Vorwürfe gegen die chinesische Führung erhoben. Im Zentrum stehen Berichte über die systematische Verfolgung religiöser Minderheiten sowie Anschuldigungen erzwungener Organentnahmen an politischen Häftlingen. Peking weist diese Vorwürfe seit Jahren zurück.
Menschenrechtsgruppen, Exilaktivisten und einzelne Untersuchungsberichte erheben jedoch seit Längerem die Anschuldigungen zum Organraub. Sie sprechen von einem System, bei dem Gefangene aus Gewissensgründen als unfreiwillige Organspender missbraucht werden. Unabhängige Überprüfungen sind schwierig, da ausländische Beobachter nur sehr eingeschränkten Zugang erhalten. Das chinesische Regime erklärt dagegen, das Transplantationssystem sei reformiert worden und basiere ausschließlich auf freiwilligen Spenden.

Schwerwiegende Vorwürfe

Der frühere US-Sonderbotschafter für internationale Religionsfreiheit, Sam Brownback, erklärte, der Umgang der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) mit religiösen Gläubigen untergrabe die politische Legitimität des Regimes. „Wie kann ein Staat globale Führungsansprüche erheben, wenn er seine eigene Bevölkerung so behandelt?“, fragte Brownback zum Auftakt des International Religious Freedom Summit am 2. Februar. Besonders die Repression gegen Anhänger der spirituellen Bewegung Falun Gong bezeichnete er als gravierend. In diesem Zusammenhang sprach er von Berichten über Zwangsorganentnahmen.
Sam Brownback, former U.S. ambassador-at-large of International Religious Freedom, speaks during the International Religious Freedom Summit in Washington on Feb. 2, 2026. Madalina Kilroy/The Epoch Times

Sam Brownback, ehemaliger Sonderbotschafter der Vereinigten Staaten für internationale Religionsfreiheit, spricht während des Internationalen Gipfels zur Religionsfreiheit in Washington, D.C. am 2. Februar 2026.

Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times

Brownback trat gemeinsam mit Katrina Lantos Swett, Co-Vorsitzende des Gipfels, sowie dem Journalisten Jan Jekielek auf. Jekielek ist leitender Redakteur der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times und Moderator der EpochTV-Sendung „American Thought Leaders“. In seinem im März erscheinenden Buch „Killed to Order“ befasst sich Jekielek mit dem chinesischen Transplantationssystem und vertritt die These, dass Organe Gewissensgefangenen systematisch entnommen werden. Zu den Betroffenen zählen demnach unter anderem Falun-Gong-Praktizierende, deren Lehre meditative Übungen mit den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Toleranz verbindet.
Swett beschrieb die Vorwürfe des Organraubs als „etwas so Erschreckendes und Entsetzliches, dass viele Menschen nicht einmal daran denken wollen“. Diese seien nicht als Einzelfälle zu verstehen, sondern als Teil eines repressiven Systems, das sich gegen unterschiedliche Glaubensgemeinschaften richte.
Menschenrechtsorganisationen werfen der chinesischen Führung seit Jahren vor, religiöse Praxis streng zu reglementieren und vom Staat unabhängige Glaubensgemeinschaften zu unterdrücken. Neben Falun-Gong-Praktizierenden seien auch christliche Hauskirchen und die Uiguren in Xinjiang betroffen.

Transnationale Einschüchterungsversuche

Der zum sechsten Mal ausgerichtete Gipfel brachte Politiker, Diplomaten und Aktivisten aus mehreren Ländern zusammen. Zu den Rednern zählten auch die frühere Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Michael Waltz. Waltz betonte das Selbstverständnis der Vereinigten Staaten als Schutzmacht der Religionsfreiheit und wies auf mutmaßliche Einschüchterungsversuche chinesischer Behörden auch außerhalb des Landes hin. Solche Praktiken seien „völlig inakzeptabel“.
Deutlich äußerte sich auch der ehemalige NBA-Spieler Enes Kanter Freedom, der seit Jahren die Menschenrechtslage in China kritisiert. Er berichtete von wirtschaftlichem Druck auf Unternehmen und Einzelpersonen, die Peking offen widersprechen. Während seine Kritik an der Türkei breite Unterstützung erfahren habe, sei diese bei China weitgehend ausgeblieben. Sein Ausscheiden aus der Basketballliga führt Freedom auf seine Haltung gegenüber der chinesischen Führung zurück.
Enes Kanter Freedom, human rights advocate and former NBA basketball player, during the International Religious Freedom Summit in Washington on Feb. 3, 2026. Eva Fu/The Epoch Times

Enes Kanter Freedom, Menschenrechtsaktivist und ehemaliger NBA-Basketballspieler, beim International Religious Freedom Summit in Washington, D.C., am 3. Februar 2026.

Foto: Eva Fu/Epoch Times

Kameras mit Gesichtserkennung in der Kirche

Neben prominenten Stimmen kamen auch Betroffene selbst zu Wort. So schilderte etwa Grace Jin Drexel, Tochter eines inhaftierten christlichen Geistlichen aus Peking, die Festnahme ihres Vaters im vergangenen Jahr. Er hatte eine nicht staatlich anerkannte Kirche geleitet. Bereits Jahre zuvor sei ihm die Ausreise verweigert worden, nachdem er sich geweigert hatte, Überwachungskameras mit Gesichtserkennung im Kirchenraum installieren zu lassen. Laut ihren Angaben erlebe die Familie auch im Ausland Einschüchterungsversuche.
Ähnliche Erfahrungen machte die uigurische Aktivistin Rushan Abbas. Nachdem sie öffentlich über Internierungslager und Foltervorwürfe in der Region Xinjiang gesprochen hatte, sei ihre Schwester in China festgenommen worden.
Zudem berichtete Abbas von Desinformationskampagnen gegen ihre Person. Als sie kürzlich ihre Memoiren mit dem Titel „Unbroken“ veröffentlichte, tauchten zwei gefälschte Exemplare mit dem gleichen Titel im Internet auf. Sie glaubt, dass es sich dabei um eine Rufmordkampagne des chinesischen Regimes handelt.
„Schweigen ist der Nährboden autoritärer Systeme und ich weigere mich zu schweigen“, sagte sie. Auch andere Minderheiten wie Tibeter und Hongkonger seien betroffen.
Grace Jin Drexel, daughter of founding pastor Ezra Jin of Zion Church in China, speaks during the International Religious Freedom Summit in Washington on Feb. 2, 2026. Madalina Kilroy/The Epoch Times

Grace Jin Drexel, Tochter des Pastors Ezra Jin von der Zion Church in China, spricht am 2. Februar 2026 beim International Religious Freedom Summit in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times

Chinesische und internationale Reaktionen

Die KPCh weist die Vorwürfe über Zwangsorganentnahmen, Masseninternierungen und religiöse Verfolgung stets vehement zurück. Sie spricht von inneren Angelegenheiten und wirft westlichen Staaten politische Instrumentalisierung vor.
Auch in Europa und insbesondere in Deutschland wird der Umgang mit China zunehmend kontrovers diskutiert. Während die Bundesregierung weiterhin auf Dialog und wirtschaftliche Zusammenarbeit setzt, fordern einzelne Politiker eine härtere Gangart – etwa durch gezielte Sanktionen. Dabei steht meist die Kritik an Chinas Handelspolitik und den wirtschaftlichen Abhängigkeiten im Vordergrund. Ob die in Washington erhobenen Menschenrechtsvorwürfe auch in der deutschen Politik breiteren Widerhall finden werden, bleibt abzuwarten.