2. Februar 2026

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“Wie der Globale Süden die Vorherrschaft des Dollars demontiert”

 

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit verschieben sich die Gewichte im internationalen Finanzsystem. Die Entwicklungen zeigen, warum viele nicht-westliche Staaten auf digitale Währungen setzen.

In der kritischen Diskussion in Deutschland werden digitale Zentralbank-Coins als Instrument der Kontrolle der Bevölkerung verteufelt. In der EU, die parallel zu den Entwicklungen die Nutzung von Bargeld immer mehr einschränkt, ist das verständlich.

In nicht-westlichen Ländern, die ebenfalls digitale Zentralbankwährungen einführen, ist diese Angst nicht so verbreitet, weil die Regierung die Benutzung von Bargeld nicht einschränken, was unter anderem auch für Russland gilt.

In diesen Ländern hat die Einführung von Zentralbank-Coins einen sehr praktischen Zweck: Eine Alternative zum US-Dollar zu schaffen, um westliche Sanktionen zu entwerten und das SWIFT als Druckmittel des Westens zu schwächen, und nebenbei eine schnellere und billigere Alternative zu Zahlungen in Dollar und über SWIFT zu schaffen.

Das hat ein Artikel von The Cradle sehr verständlich erklärt, den ich übersetzt habe. Im Original sind die Ausführungen mit vielen Grafiken und Quellen unterlegt, die ich jedem Interessierten empfehle.

Beginn der Übersetzung:

Neue Währung der Macht: Wie der Globale Süden die Vorherrschaft des Dollars demontiert

Eine koordinierte Rebellion formt stillschweigend die globale Finanzordnung neu – eine, die nicht nur darauf abzielt, der Dollar-Tyrannei zu entkommen, sondern sie zu begraben.

von Suleyman Karan

„Die amerikanische Hegemonie half dabei, öffentliche Güter bereitzustellen: offene Seewege, ein stabiles Finanzsystem, kollektive Sicherheit und Unterstützung von Rahmenwerken zur Streitbeilegung … Wir nahmen an den Ritualen teil und vermieden es weitgehend, die Lücken zwischen Rhetorik und Realität anzusprechen … Dieses Arrangement funktioniert nicht mehr. Lassen Sie mich deutlich sein: Wir befinden uns inmitten eines Bruchs, nicht eines Übergangs.“ – Der kanadische Premierminister Mark Carney in seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum (WEF) 2026 in Davos

Die Ära der unangefochtenen globalen Vorherrschaft des US-Dollars beginnt an den Rändern auszufransen. Was einst ein Grundpfeiler des globalen Finanz- und Handelssystems war, ist nun ein umkämpftes Terrain, da eine wachsende Zahl von Staaten nach Alternativen zu der Währung sucht, die lange genutzt wurde, um westliche Diktate durchzusetzen. Die Zentralität des US-Dollars für grenzüberschreitende Transaktionen und seine Rolle als Weltreservewährung sind nicht länger garantiert – und dieser Wandel ist nicht mehr theoretisch.

Über Jahrzehnte diente der US-Dollar als universelles Tauschmittel, als Aufbewahrungsmittel für Werte und als Recheneinheit. Doch diese Vorteile gingen mit hohen Kosten einher. Die Abhängigkeit des Systems von der Politik eines einzigen Staates und von Umrechnungskursen erzeugten Schichten von Risiko und Reibung. Heute sind diese Risiken zu Hindernissen für die Ausweitung des globalen Handels geworden. Und da die Schwellenländer an Selbstvertrauen und Gewicht gewinnen, ist Washington gezwungen, seinen monetären Thron zu räumen.

Der US-Dollar herrscht noch, aber sein Griff lockert sich

Der US-Dollar dominiert weiterhin grenzüberschreitende Transaktionen, sei es in Leistungsbilanzen oder auf den Finanzmärkten. Er bleibt ein vertrauenswürdiger Wertspeicher sowohl für institutionelle Investoren als auch für Privatpersonen. Doch die Gezeiten wenden sich. Seit dem Beginn der COVID-19-Pandemie haben Zentralbanken und privates Kapital ihre Dollarbestände stetig reduziert und Werte in Gold und andere Sachwerte umgeschichtet.

Während der US-Dollar noch immer zur Standardisierung der globalen Buchführung verwendet wird, ermöglichen künstliche Intelligenz (KI) und technologische Innovation inzwischen Währungskörbe – wie jene der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) –, die viele der Funktionen des US-Dollars problemlos ersetzen. Kurz gesagt: Die Ära, in der es keine glaubwürdige Alternative gab, ist vorbei.

Da der Globale Süden seinen Anteil am Welthandel und am globalen BIP ausweitet, gewinnt die praktische Nutzung von Nicht-Dollar-Währungen an Zugkraft. Innerhalb der BRICS werden Transaktionen zunehmend in nationalen Währungen abgewickelt.

SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication), das vom Westen dominierte Nachrichtennetzwerk, das Banken für grenzüberschreitende Zahlungen nutzen, bleibt dominierend, doch Alternativen gewinnen an Boden. Daten zeigen, dass der chinesische Yuan, auf den nur zwei Prozent der globalen Zahlungen entfallen, im Mai 2025 bereits 50 Prozent des BRICS-internen Handels abgewickelt hat.

Während das BRICS-Zahlungssystem noch weit von globaler Akzeptanz entfernt ist, wächst seine Präsenz. Und hinter dieser Dynamik steht ein strategisches Verständnis: Wahre monetäre Souveränität kann nicht mit Abhängigkeit von feindlichen Finanzsystemen koexistieren.

Die größte Barriere beim Aufbau multipolarer Alternativen ist nicht politischer Wille, sondern Infrastruktur. Der Ersatz von SWIFT erfordert sichere, skalierbare und interoperable Plattformen. Hier bieten digitale Währungen der Zentralbanken (CBDCs), blockchain-basierte digitale Versionen nationaler Währungen, ausgegeben und reguliert von Zentralbanken, einen transformativen Weg. Im Gegensatz zu Kryptowährungen sind CBDCs vollständig abgesichert und unter Kontrolle souveräner Währungsbehörden und verbinden digitale Geschwindigkeit mit staatlicher Aufsicht.

Peking führt den Vorstoß an. Die People’s Bank of China hat ihr Cross-Border Interbank Payment System (CIPS) ausgeweitet, eine Alternative zu SWIFT, die für Yuan-Transaktionen konzipiert ist und zunehmend mit CBDC-Plattformen integriert wird.

Nach ihren Schätzungen können CBDCs die Transaktionskosten um bis zu 50 Prozent senken und grenzüberschreitende Zahlungen in Sekunden abwickeln. SWIFT hingegen basiert auf einem langsamen, geschichteten Modell von Korrespondenzbanken, das Tage dauern und hohe Gebühren verursachen kann.

Der digitale Yuan übersteigt zwei Billionen Dollar

Chinas digitaler Yuan (e-CNY) ist seit 2023 um über 800 Prozent gewachsen und überschritt bis Ende 2025 ein Transaktionsvolumen von 2,3 Billionen US-Dollar. Um die inländische Akzeptanz zu erhöhen, verfolgt China eine Strategie, die die Souveränität und Regulierung des e-CNY bewahrt und zugleich zinstragende Merkmale sowie ähnliche Funktionalität wie bei Stablecoins integriert.

Project mBridge, Abkürzung für „multiple CBDC Bridge“, ist eine gemeinsame Initiative des Innovation Hub der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und der Zentralbanken von China, Hongkong, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es ermöglicht grenzüberschreitende Zahlungen in Echtzeit mit CBDCs auf einer gemeinsamen Blockchain-Plattform, ohne Korrespondenzbanken oder SWIFT-Nachrichten.

Im Jahr 2025 verarbeitete mBridge Transaktionen im Wert von 55,49 Milliarden US-Dollar, eine 2.500-fache Steigerung gegenüber frühen Testläufen im Jahr 2022. Über 95 Prozent des Volumens entfielen auf e-CNY und widerlegten frühe Prognosen, wonach CBDCs, insbesondere die von China, unter öffentlicher Skepsis und begrenzten Anwendungsfällen leiden würden.

Fünf Jahre nach seiner Einführung bleibt e-CNY das weltweit größte Experiment einer digitalen Zentralbankwährung. Und sein Erfolg verändert Annahmen darüber, wer das Tempo finanzieller Innovation bestimmen kann.

BUNA und die Architektur monetärer Autonomie

Die Arab Regional Payment Clearing and Settlement Organization, bekannt als BUNA, ist ein weiterer zentraler Baustein der entstehenden Zahlungsarchitektur. Mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und betrieben vom Arabischen Währungsfonds ist BUNA eine grenzüberschreitende Multi-Währungs-Zahlungsplattform zur Förderung von Handels- und Investitionsströmen innerhalb und außerhalb der arabischen Welt.

Sie ermöglicht Zentral- und Geschäftsbanken, Zahlungen in der arabischen Region und mit globalen Partnern in mehreren Währungen zu senden und zu empfangen. Die monatlichen Transaktionsvolumina sind auf Tausende angewachsen, und BUNA erweitert die Teilnahme fortlaufend.

Dies wird ergänzt durch Initiativen wie AFAQ, das Sofort-Zahlungssystem des Golfkooperationsrats (GCC), das die Banken der Mitgliedsstaaten verbindet und Echtzeit-Transaktionen ohne US-Dollar-Clearingbanken ermöglicht.

Keine monetäre Revolution ohne institutionelle Transformation

Trotz Chinas digitaler Fortschritte kann kein einzelner Staat allein ein neues globales System verankern. Die Transformation erfordert institutionelle Architektur, etwa ein Clearinghaus wie die Europäische Zahlungsunion (EPU) der Nachkriegszeit, die den innereuropäischen Handel stabilisierte, indem Ungleichgewichte multilateral statt bilateral in knappen US-Dollar ausgeglichen wurden.

Die Neue Entwicklungsbank (NDB) innerhalb der BRICS ist am besten positioniert, diese Rolle zu übernehmen. Doch die verfestigten globalen Machtstrukturen – nicht nur finanzielle Trägheit – bleiben das eigentliche Hindernis.

Trump hat die Dominanz des US-Dollars offen als Frage der nationalen Sicherheit bezeichnet, sogar als legitimen „casus belli“. Diese Denkweise prägt beide US-Parteien und ist ein Eckpfeiler atlantischer Politik geworden.

Der US-Dollar dominiert weiter die Finanzmärkte, aber die Risse werden größer

Trotz Verlusten im Handel dominiert der US-Dollar weiterhin die grenzüberschreitenden Finanzmärkte. 2024 erreichte der globale Waren- und Dienstleistungshandel 33 Billionen US-Dollar, etwa ein Drittel des globalen BIP. Doch laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich betrug der tägliche FX-Umsatz 7,5 Billionen US-Dollar, mehr als das Fünffache des jährlichen Handelsvolumens. Dieser Markt bleibt überwiegend dollarbasiert.

Der US-Dollar war 2022 an 88 Prozent aller Devisentransaktionen beteiligt. Bis April 2025 stieg sein Anteil leicht auf 89,2 Prozent. Der Euro fiel auf 28,9 Prozent (von 30,6 Prozent 2022). Der Yen blieb stabil bei 16,8 Prozent. Der Yuan stieg auf 8,5 Prozent, ein stetiger Anstieg seit 2013.

Vom Umgehen von SWIFT zum Aufbau der Zukunft

China weiß, dass es die Dollar-Dominanz nicht allein demontieren kann. Die BRICS und der breitere Globale Süden müssen den Vorstoß anführen. Die Architektur nimmt bereits Gestalt an. Bis Januar 2025 begannen Länder wie Russland, Iran, Venezuela, Saudi-Arabien, China, die VAE und Ägypten, den „Petro-Yuan“ in grenzüberschreitenden Energietransaktionen zu nutzen.

Für Moskau ist dieser Schritt eine direkte Reaktion auf die Sanktionen und ein Versuch, sich dem Griff von SWIFT und dem Handel in US-Dollar zu entziehen. Dieser Schritt funktioniert, nicht symbolisch, sondern materiell. Und während andere folgen, wird aus einer einstigen Umgehungsstrategie der Kern eines neuen Systems.

Eine Öffnung für den multipolaren Moment

Die Krise um Grönland eröffnet neue Chancen für den Globalen Süden, da geopolitischer Druck der USA und Risiken auf den Finanzmärkten Europa dazu veranlassen könnten, seine Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren und sich von US-Vermögenswerten zu entfernen. Investoren könnten sich sicheren Häfen wie dem Schweizer Franken zuwenden oder die wirtschaftlichen Beziehungen zu Peking vertiefen.

Diese sich entwickelnde Krise der Dollar-Vorherrschaft hat einen tieferen politischen Bruch freigelegt. Der Globale Süden ist nicht länger bereit, ein imperiales System zu finanzieren oder zu erleichtern, das seiner eigenen wirtschaftlichen Unterordnung dient.

Neue Institutionen entstehen, alte Systeme zerfasern, und die Illusionen der Unvermeidlichkeit, die einst das US-Finanzprimat stützten, zerbrechen. Die monetäre Ordnung, die als Nächstes entsteht, wird nicht in Washington diktiert, sondern im gemeinsamen Interesse jener geschmiedet, die lange von ihren Vorteilen ausgeschlossen waren.

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Suleyman Karan absolvierte ein Studium an der Fakultät für Politikwissenschaften der Universität Istanbul. Er arbeitete als Chefredakteur der Zeitungen Pazar Postası und Posta Daily. Er war Chefredakteur der Magazine Hürriyet BusinessWeek und Platin sowie redaktioneller Koordinator der Tageszeitung Yurt Daily. Derzeit ist er Wirtschaftsjournalist bei Gazeteduvar.

Ende der Übersetzung

 

 

“Wie der Globale Süden die Vorherrschaft des Dollars demontiert”