29. Januar 2026

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TU Chemnitz hat Doktortitel aberkannt: Ministerpräsident Voigt will klagen

 

Die TU Chemnitz hat dem Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt den Doktortitel aberkannt. Der CDU-Politiker kündigte eine Klage vor dem zuständigen Verwaltungsgericht an. Er fühlt sich ungerecht behandelt. Den Titel will er vorerst trotzdem nicht führen.

Die Technische Universität (TU) Chemnitz hat dem Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) den Doktortitel aberkannt. Die Hochschule teilte am Mittwochabend mit, das habe der Erweiterte Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät in seiner Sitzung am Mittwoch einstimmig beschlossen. Die TU wies darauf hin, dass die Entscheidung nicht rechtskräftig sei. Die Hochschule hatte Voigts Doktorarbeit aus dem Jahr 2010 seit Mitte 2024 geprüft, nachdem ihr Plagiatsvorwürfe angezeigt worden waren.

TU: Mit allen Informationen auseinandergesetzt

Wie die Hochschule weiter mitteilte, hat sich der Fakultätsrat mit allen vorliegenden Informationen inklusive einem externen Gutachten intensiv auseinandergesetzt. Für die Plagiatsprüfung müssten alle vorhandenen Quellen ausgewertet werden. Das externe Gutachten könne nicht alleinige Grundlage der Entscheidung sein.

Die Staatskanzlei in Erfurt hatte die Entscheidung der TU am Mittag öffentlicht gemacht. Die Regierungsbehörde versandte eine „Persönliche Mitteilung von Mario Voigt“. Darin kündigt er an, vor dem zuständigen Verwaltungsgericht gegen die Entscheidung klagen zu wollen. Später sagte Voigt vor Journalisten, er habe vom Entzug des Doktortitels erst am Mittag erfahren. Seine Berliner Rechtsanwälte seien direkt von der Universität informiert worden.

Mario Voigt (CDU), Ministerpräsident von Thüringen, kommt zu einem Statement in der Thüringer Staatskanzlei.
Voigt am Mittwoch auf dem Weg zur Pressekonferenz in eigener Sache. Bildrechte: picture alliance/dpa | Michael Reichel

Voigt: Nur 2,58 Prozent beanstandet

Voigt nannte die Entscheidung der Philosophischen Fakultät nicht nachvollziehbar. Der wissenschaftliche Kern seiner Arbeit sei von den Vorwürfen nicht betroffen. Das habe der von der Universität beauftragte externe Sachverständige eindeutig bestätigt. Die Universität habe im Mai 2025 im laufenden Verfahren „neue Bewertungsmaßstäbe für Plagiatsverfahren eingeführt und anschließend gezielt auf seine Dissertation angewendet“.

Voigt nannte das Vorgehen der TU „zurückhaltend formuliert höchst ungewöhnlich“. Warum die Universität ihrem eigenen Gutachten nicht folge, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Die von der Fakultät beanstandeten Textstellen bezögen sich auf 2,58 Prozent der Wörter in der gesamten Doktorarbeit.

Voigt kündigte an, seinen Doktortitel vorerst nicht weiter zu führen. In seiner Amtsführung habe er den Titel ohnehin nicht verwendet. Da die Klage gegen die TU-Entscheidung ein Widerspruchsverfahren sei, wäre er juristisch gesehen berechtigt, den Titel weiter zu führen. Das wolle er aus Respekt vor dem Verfahren nicht tun.

Höcke fordert Rücktritt

AfD-Fraktionschef Björn Höcke hat den Ministerpräsidenten zum Rücktritt aufgefordert. Voigt habe nicht nur seine Wähler getäuscht und die Würde der Universität Chemnitz beschädigt, sondern vor allem dem Land schweren Schaden zugefügt.

Björn Höcke auf dem 16. Bundesparteitag der Alternative für Deutschland
Björn Höcke fordert den Rücktritt des Ministerpräsidenten. Bildrechte: picture alliance / dts-Agentur

In der Geschichte Thüringens sei ein politischer Rücktritt „kaum je überfälliger“ gewesen als in diesem Fall, so Höcke. Voigt reagierte auf die Forderung mit den Worten, seine Arbeit als Ministerpräsident „ganz normal“ fortsetzen zu wollen.

Linke erinnert Voigt an seine Vorwürfe von einst

Der Thüringer Landesverband der Partei Die Linke nannte es „befremdlich“, dass Voigt die Erklärung in eigener Sache von der Staatskanzlei und damit mit öffentlichen Mitteln verbreiten ließ. Zur Sache selbst sagten die Landesvorsitzenden Katja Maurer und Ralf Plötner, Voigt müsse sich nach der Personaldebatte („Bestenauslese“) in der vergangenen Legislaturperiode nun an seinen eigenen Kriterien messen lassen. Damals hatte die CDU unter Fraktionschef Voigt der rot-rot-grünen Landesregierung vorgeworfen, bei der Besetzung von Spitzenposten das Prinzip der Bestenauslese nicht beachtet zu haben.

CDU-Fraktion stärkt ihrem Regierungschef den Rücken

Die CDU-Fraktion im Landtag bekannte sich unterdessen zu Voigt. Fraktionschef Andreas Bühl sagte, der Ministerpräsident habe das Land nach Jahren „politischer Schläfrigkeit“ wieder hochgefahren, Verantwortung übernommen, klare Prioritäten gesetzt und konsequent im Interesse der Menschen gehandelt. Die Fraktion stehe fest und geschlossen an seiner Seite.

„Plagiatsjäger“ hatte Voigt angezeigt

Der österreichische Kommunikationswissenschaftler Stephan Weber hatte sich im Sommer 2024 an die TU Chemnitz gewandt und Voigt wegen 140 vermeintlicher Plagiate in dessen Doktorarbeit angezeigt. Die TU begann daraufhin mit der Prüfung – noch im Dezember erklärte die Hochschule, die Untersuchung laufe noch. Der selbsternannte „Plagiatsjäger“ Weber machte sich in der Vergangenheit unter anderem dadurch einen Namen, dass er akademische Arbeiten von Prominenten und Politikern auf Plagiate prüfte.