28. Januar 2026

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Die aktuelle Spiegel-Titelstory zeigt unfreiwillig, warum die EU am Ende ist

 

Die aktuelle Spiegel-Titelstory soll den Spiegel-Lesern zeigen, dass die EU keineswegs am Ende ist, sondern den USA mit gemeinsamen Anstrengungen widerstehen und eine strahlende Zukunft haben kann. Allerdings bemerkt man beim aufmerksamen Lesen, dass die das Gegenteil der Fall ist.

Der Spiegel sieht sich als Verteidiger all dessen, was Transatlantizismus und Globalismus in den letzten Jahren hervorgebracht haben und was die EU als Kern ihrer Politik festgeschrieben hat. Wenn junge Menschen sich beispielsweise wieder nach dem traditionellen Familienbild sehnen, das die Gender-Propagandisten als „rechtsextrem“ verteufeln, dann reagiert der Spiegel ganz aktuell mit einem Artikel, in dessen Einleitung der Spiegel von „rückwärtsgewandten Einstellungen“ spricht und sofort fragt: „Wie gefährlich ist das?“ Eine aus Mann, Frau und Kind bestehende Familie ist für den Spiegel allen Ernstes „gefährlich“, was zeigt, wie verblendet und radikalisiert die Spiegel-Redaktion inzwischen ist.

Daher ist die aktuelle Titelgeschichte des Spiegel, und vor allem die darin enthaltenen sachlichen Fehler und ideologisch bedingten Widersprüche in der Argumentation, keine Überraschung. In der Einleitung schreibt der Spiegel, der Grönland-Streit habe gezeigt, wie „verletzlich Europa ist“, dabei hätte die EU doch „alle Mittel, sich gegen die Erpressung von Donald Trump zu behaupten“.

Diese Titelstory des Spiegel ist vor allem deshalb interessant, weil sie – natürlich ungewollt – die logischen Argumentationsfehler der ideologisch geprägten Politiker und Journalisten in Europa aufdeckt. Europa muss nicht zum Untergang verurteilt sein, aber wenn die Politik der EU auf die Konzepte setzt, die Medien wie der Spiegel präsentieren, wird Europa untergehen.

Auf die Verbindung zwischen Politik und Medien in Europa weise ich an dieser Stelle deshalb an, weil die Spiegel-Titelstory an vielen Stellen Dinge fordert, die in Brüssel – unbeachtet von den Medien – bereits vorbereitet werden. Und in der Regel ist so etwas kein Zufall, denn die unpopulären Pläne der EU wurden in der Vergangenheit immer durch Artikel in den Medien vorbereitet und von ihnen unterstützend begleitet, um die vermeintliche Alternativlosigkeit dieser Maßnahmen zu betonen.

Ich nehme es vorweg: Der Spiegel-Artikel fordert de facto die endgültige Abschaffung der Nationalstaaten in Europa zugunsten der Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa, und auf dem Weg dahin eine möglichst zügige Übergabe weiterer Kompetenzen von den Mitgliedsstaaten an das Zentrum in Brüssel, also an die von niemandem gewählte und von niemandem kontrollierte EU-Kommission.

Schauen wir uns die Spiegel-Titelstory einmal näher an, denn sie ist aus vielerlei Gründen sehr interessant.

Was die EU alles nicht kann

Zu Beginn des Artikels schreibt der Spiegel über die Defizite der EU:

„Die Europäer produzieren keine modernen Kampfflugzeuge, die es mit amerikanischen Tarnkappenjets der fünften Generation aufnehmen können. Sie haben keine Kreditkartenfirmen und keine KI-Unternehmen, die sich auch nur annähernd mit der amerikanischen Konkurrenz messen können. Sie verfügen über keine wirksame gemeinsame nukleare Abschreckung.“

All das sind ernste Themen. Die EU ist nicht nur bei vielen Waffensystemen von den USA abhängig, sondern das eigentliche Problem ist, dass die US-Waffen heute alle vernetzt sind und dass die USA sie einfach ausschalten können. Die USA entscheiden also, ob und gegen wen die EU im Notfall militärisch vorgehen, und auch, gegen wen sich die EU militärisch verteidigen kann.

Noch wichtiger ist jedoch, was der danach schreibt, denn dass die EU keine eigenen Kreditkartenfirmen hat, macht sie vollständig von den USA abhängig. Stellen Sie sich einmal vor, alle Karten würden nicht mehr funktionieren. Wo würden Sie das Bargeld für Einkäufe herbekommen, wenn keine Geldautomaten mehr funktionieren? Die Banken wären auf so einen Ansturm auf ihre Kassen nicht vorbereitet. Und ob kurzfristig so viel Bargeld verfügbar wäre, wie gebraucht würde, ist ebenfalls fraglich.

Ich habe in Russland erlebt, wie es war, als die USA im Februar 2022 ihre Kreditkarten abgeschaltet haben. In Russland hatte das keine Folgen, weil Russland sein eigenes Zahlungssystem MIR entwickelt hatte, das die Abwicklung aller Kartenzahlungen lückenlos übernehmen konnte. In Europa gibt es jedoch nichts dergleichen.

Noch wichtiger ist das Fehlen von europäischen KI-Unternehmen, wobei der Hinweis darauf nur zeigt, wie wenig sich die Spiegel-Redakteure mit dem Themen KI und IT beschäftigt haben. Aber dazu kommen wir später

Akuter ist, dass die EU keine eigenen sozialen Netzwerke hat, die für die Lenkung der öffentlichen Meinung so wichtig sind, und sie hat auch keine nennenswerten eigenen Cloud-Systeme, was bedeutet, dass die EU und ihre Mitgliedsstaaten viele, auch sensible Dokumente auf amerikanischen Servern lagern, die die US-Geheimdienste natürlich alle einsehen können. Gleiches gilt für den Großteil des Email-Verkehrs, denn der läuft ebenfalls über amerikanische Server und über von den USA kontrollierte Internetknotenpunkte, denn für alle, die das nicht wissen: Die USA kontrollieren auch die Internetknotenpunkte in der EU.

Die EU ist also gläsern und jeder Versuch, sich gegen die USA aufzulehnen, würde von den US-Geheimdiensten erkannt werden, bevor er in den Köpfen der Europäer konkrete Formen annehmen könnte, weil die US-Geheimdienste den gesamten Mail-Verkehr in der EU mitlesen, wie der letzte ans Licht gekommene (aber von deutschen Medien schnell wieder vergessene) NSA-Abhörskandal im Jahr 2021 gezeigt hat.

Hinzu kommt die Abhängigkeit der EU von den USA im Bereich Energie und in anderen Bereichen.

Später in dem Spiegel-Artikel wollen die Autoren den Lesern Mut machen und schreiben zum Thema Kreditkarten beispielsweise:

„Die USA kontrollieren zwar das Geschäft mit Kreditkarten. Doch liegt ein zentraler Knotenpunkt des globalen Finanzstroms in Belgien: das Swift-System, über das Banken in 200 Ländern miteinander kommunizieren und ohne das kaum eine Auslandsüberweisung durchkäme.“

Liebe Spiegel-Redakteure, was soll es bringen, dass SWIFT seinen Sitz in Belgien hat? SWIFT gehört tausenden Banken und anderen Finanzinstituten und natürlich haben die USA sich auch darüber längst die faktische Kontrolle gesichert, auch wenn das in deutschen Medien kein Thema ist. Um das zu erfahren, muss man schon ausländische Medien lesen, beispielsweise dänische, denn die USA haben mehrmals kurzerhand SWIFT-Überweisungen innerhalb der EU beschlagnahmt, als beispielsweise ein Däne von einem Deutschen kubanische Zigarren kaufen wollte. Der Kauf war in der EU legal und die Summe mit etwa 2.000 Euro unwesentlich, aber die USA hatten die Hand drauf – und haben das Geld einkassiert und nicht wieder zurückgegeben.

Liebe Spiegel-Redakteure, die diese Titelstory geschrieben haben, glaubt Ihr wirklich, die EU könnte den USA als Reaktion auf eine Abschaltung der amerikanischen Kreditkarten (oder irgendetwas anderes) mit SWIFT drohen?

Die Vasallenstrategie

Besonders amüsant finde ich nach wie vor, dass deutsche Medien bestreiten, dass die europäischen Staaten – und damit die EU selbst – seit dem Zweiten Weltkrieg Vasallen der USA sind und dass die USA sie wie Kolonien behandeln. Bisher konnten die europäischen Eliten in Politik und Wirtschaft gut damit leben, weil sie von dem Zustand profitiert und die „unschönen Vorfälle“ daher ignoriert haben.

Ob den Spiegel-Journalisten diese Wahrheit bekannt ist, weiß ich nicht, aber zumindest die wenige kompetenten Leute, die es in der EU gibt, wissen das, wie beispielsweise die Analyse eines EU-Thinktanks von 2023 gezeigt hat, die den Zustand der EU als „die Kunst der Vasallisierung“ durch die USA bezeichnet hat.

Aber das verschweigen deutsche Medien wie der Spiegel, stattdessen ist Trump angeblich an allem Schuld, was in der aktuellen Spiegel-Titelstory so klingt:

„Trump will Europa offenkundig zu einem Vorhof der USA machen – eine Kolonie, die er politisch beherrscht und aus der er sich nach Belieben Stücke reißen kann. Wenn die Europäer diesem Plan nicht entschieden entgegentreten, werden sie zu Vasallen der Vereinigten Staaten.“

Wer die Probleme der EU so formuliert, wird sie nie lösen können, weil er sie nicht verstanden hat. Das Problem ist nicht, dass Trump Europa zu einer Kolonie der USA machen will, und dass man dagegen vorgehen muss, das Problem ist, dass Europa schon seit Jahrzehnten eine Kolonie der USA ist. Und wer Europas Zukunft retten will, muss Europa befreien.

Aber Europa aus dem Vasallentum der USA zu befreien, braucht ein ganz anderes Vorgehen, als der Versuch, eine Vasallisierung Europas zu verhindern.

Um es beim Namen zu nennen: Auch in beispielsweise den britischen Kolonien gab es eine lokale Elite, die sich unter der britischen Kolonialherrschaft wohl fühlte, weil die Briten ihnen einige Krümel vom Kuchen überließen. Jeder kann in Geschichtsbüchern nachlesen, dass ein wichtiger Bestandteil der Befreiung von Kolonien die Entmachtung dieser lokalen Eliten und der Aufbau eines neuen politischen Systems war.

Man könnte eine derzeit drohende Vasallisierung der EU vielleicht mit dem bestehenden politischen Personal bekämpfen, aber um die EU aus dem schon bestehenden Vasallentum zu befreien, in dem sie nun einmal ist, muss die bestehenden politischen Eliten in Europa ersetzt werden, weil die nur in ihre Positionen gekommen sind, weil sie den USA treu ergeben waren und vom Vasallentum Europas profitieren.

Der Fachbegriff für diese Leute lautet Transatlantiker, und die sind per Definition genauso ungeeignet, die EU in eine Unabhängigkeit zu führen, wie die indischen Maharadschas, die mit den britischen Kolonialherren zusammengearbeitet haben, ungeeignet waren, Indien in die Unabhängigkeit zu führen. Indien brauchte dazu einen Mahatma Gandhi. Die Frage ist also, ob es in der EU jemanden gibt, der die Rolle eines europäischen Gandhi übernehmen kann.

Absurde Widersprüche im Spiegel

Danach kommt die Spiegel-Titelstory zu geopolitischen Fragen und schreibt über die EU:

„Nun ist sie in dieser neuen Welt zu einem paradoxen Schritt gezwungen: Wenn sie im Machtdschungel der Imperien überleben will, muss sie sich selbst imperiale Reflexe zulegen: Sie muss bereit sein, ihr eigenes Territorium und ihre Souveränität nach außen zu verteidigen und im Innern jene Kräfte zu bekämpfen, die sich mit den Feinden Europas verbünden. Sie muss lernen, ihre ökonomische Kraft als politische Waffe einzusetzen und ihre Industrie strategisch zu fördern, um nicht erpressbar zu werden. Und sie muss gleichzeitig Allianzen eingehen mit Ländern und Regionen, die sich dem US-Imperialismus widersetzen.“

Dieser Absatz enthält so viele Widersprüche, dass es schwer wird, ihn zu analysieren. Aber versuchen wir es.

Zunächst verkennt der Spiegel, dass die EU sich längst wie ein Imperium verhält. Oder besser gesagt, wie der willige Helfer eines Imperiums, denn die EU setzt „ihre ökonomische Kraft als politische Waffe ein“, und zwar schon lange und tausendfach, wenn sie Sanktionen gegen politisch ungehorsame Länder verhängt.

Quasi nebenbei fordert der Spiegel hier diktatorische Maßnahmen, wenn er fordert, die EU müsse Andersdenkende bekämpfen. Diesen Andersdenkenden, zu denen ich gehöre, wirft der Spiegel vor, sich mit den „Feinden Europas zu verbünden“. Gut, dass der Spiegel nicht “Feinde der EU” geschrieben hat, was wohl ehrlicher gewesen wäre, denn eines sind all die, die der Spiegel hier pauschal zu “Feinden Europas” erklärt, sicher nicht: Feinde Europas, sie sind das Gegenteil.

Und das wird in dem zitierten Absatz sogar deutlich, wenn der Spiegel auch schreibt, man müsse „gleichzeitig Allianzen eingehen mit Ländern und Regionen, die sich dem US-Imperialismus widersetzen“.

Man möchte hier „na endlich!“ ausrufen, doch der Spiegel stellt danach die entscheidende Frage nicht: Wer sind auf der Welt denn die Länder, „die sich dem US-Imperialismus widersetzen“ und mit denen Europa laut dem Spiegel “Allianzen eingehen” muss? Richtig: Das sind allen voran Russland und China!

Und genau das fordern all die vom Spiegel als “Feinde Europas” beschimpften Kritiker der EU und des Transatlantizismus ja seit Jahren: Europa muss sich vor allem mit seinem Nachbarn Russland zusammentun, wenn es sich dem „US-Imperialismus widersetzen“ und vor allem, wenn es sich aus dem Vasallentum der USA befreien will. Genau das fordere ich, und nun steht es auch im Spiegel!

Aber halt, natürlich haben die Spiegel-Redakteure das gar nicht begriffen, sie haben nur Phrasen wiederholt, die sie irgendwo aufgeschnappt haben, ohne sich zu fragen, was das denn bitte in der Praxis bedeuten würde.

Ganz nebenbei würde ein Zusammengehen mit Russland es Europa auch ermöglichen, eine weitere Forderung aus dem zitierten Absatz umzusetzen, nämlich die europäische „Industrie strategisch zu fördern, um nicht erpressbar zu werden“. Und das geht nun einmal nur mit russischen Energielieferungen, denn es war ja gerade die Abkehr von russischem Gas und die Hinwendung zu US-Gas, die Europa wirtschaftlich erpressbar gemacht hat.

Aber auch das, da bin ich sicher, haben die Spiegel-Schreiberlinge, die diese Titelstory fabriziert haben, gar nicht verstanden.

Der Spiegel fordert die EU-Diktatur

Anstatt diese vollkommen auf der Hand liegenden Tatsachen zu erkennen, fordert der Spiegel in seiner Titelstory jedoch eine weitere Machtkonzentration in Brüssel, die ja für viele der heutigen Probleme in Europa verantwortlich ist:

„Doch die beste Verteidigungsstrategie wird nichts nützen, wenn Europa nicht politisch zusammenrückt. Die Vereinigten Staaten von Europa galten zuletzt als schrullige Idee von politischen Romantikern. Aber im Licht der Trump-Revolution erscheint sie plötzlich als realpolitische Antwort auf eine immer bedrohlicher werdende Welt. Natürlich ist der Weg dahin lang, aber es gibt Möglichkeiten, die EU-Führung schon jetzt mit mehr Macht auszustatten. Die europäischen Parteien könnten einen Spitzenkandidaten aufstellen und zusichern, dass er im Erfolgsfall auch wirklich Kommissionspräsident wird. Gleichzeitig könnte das Amt des Ratspräsidenten mit dem des Kommissionspräsidenten verschmolzen werden.“

Ich habe kürzlich in einem Artikel erklärt, dass ich ein Verfechter der europäischen Einigung, aber trotzdem (oder besser gesagt, gerade deshalb) für die Auflösung der EU in ihrer heutigen Form bin. Die heutige EU ist ein bürokratisches Monster ohne jede demokratische Kontrolle und mit einem Parlament, das weniger Rechte hat, als der Deutsche Reichstag unter Kaiser Wilhelm. Und die EU insgesamt ist wegen des Personals, das dort auf allen Ebenen arbeiten, nicht reformierbar.

Wenn der Spiegel als kurzfristige Lösung fordert, „die europäischen Parteien könnten einen Spitzenkandidaten aufstellen und zusichern, dass er im Erfolgsfall auch wirklich Kommissionspräsident wird“, dann ist das Verarschung der Leser. Zur Erinnerung: Bei der letzten Europawahl war von der Leyen die Spitzenkandidatin der europäischen Partei, die dann die größte Fraktion im EU-Parlament gestellt hat – es war also genau so, wie der Spiegel hier fordert.

Das Problem der EU liegt tiefer, es liegt in den undemokratischen und unkontrollierten Strukturen der EU, da helfen neue Spitzenkandidaten überhaupt nichts. Und denen noch mehr Macht zu geben, ist der direkte Weg in den Untergang der EU.

Ja, ein politisch geeintes Europa wäre toll und in dieser Lage, in der die künftige Weltordnung festgelegt wird, auch wünschenswert. Aber dann müsste das geeinte Europa auch für eine Politik stehen, hinter der die Mehrheit der Menschen in der EU steht. Und das ist bei dem heutigen Personal der EU, dem der Spiegel noch mehr Macht geben will, ausgeschlossen. Darum wird die EU ja immer repressiver und verhängt Sanktionen gegen Andersdenkende.

Aber der Spiegel spricht echte Reformen in der EU nicht einmal an, sondern fordert sogar:

„Finanziell müsste die EU eigene Steuern erheben und eine aktive Investitionspolitik betreiben. Europa benötigt einen eigenen Geheimdienst, um sich aus der Abhängigkeit amerikanischer Dienste zu befreien. Das Einstimmigkeitsprinzip bei fast allen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik ist ein Relikt aus der Vergangenheit, das Europa schwächt.“

Damit unterstützt der Spiegel ein Projekt, das die EU-Kommission gerade unter dem Namen „28. Regime“ umsetzen will. Die EU-Kommission möchte einen virtuellen 28. EU-Mitgliedsstaat schaffen, der eigene Regeln für „die Wirtschaft“ hat und auch Steuern erheben oder eigene Regeln zu Arbeitszeit, Kündigungsschutz und anderem erlassen kann. Natürlich wären diese Steuern viel niedriger als in den „echten“ EU-Staaten, weil die EU natürlich nicht an den Kosten von Sozialabgaben wie Renten, Arbeitslosenunterstützung und so weiter beteiligt sein will.

Mit anderen Worten: Diese Idee würde den Mitgliedsstaaten Steuereinnahmen wegnehmen, sie aber auf den für den Unterhalt seines Staaten nötigen Kosten sitzen lassen, während die EU-Kommission eine eigene Geldquelle bekäme und die Einnahmen quasi von niemandem kontrolliert ausgeben könnte. Darüber werde ich noch gesondert berichten, wenn die EU mehr dazu veröffentlicht. Für alle Interessierten verlinke hier aber eine Homeoffice-Sendung, in der das Thema im letzten Oktober besprochen wurde.

Ob die Spiegel-Redakteure diesen Wahnsinn nicht verstehen, oder warum sie das unterstützen, bleibt deren Geheimnis.

Wunschdenken in der Spiegel-Redaktion

Der Spiegel beschwört in seiner Titelstory auch die angebliche wirtschaftliche Macht der EU:

„Europa wirkt nur deshalb so schwach, weil es bisher seine Macht nicht einzusetzen wusste. Ökonomisch ist die EU ein Riese, der zweitgrößte Binnenmarkt der Welt mit 450 Millionen Konsumenten und einem Bruttoinlandsprodukt von über 18 Billionen Euro. Die EU hat die Kraft, Kartelle zu zerschlagen und Marktregeln durchzusetzen. Sie kann Firmen bestrafen, die sich als Instrument politischer Desinformation und Erpressung verstehen. Sie muss es nur wollen.“

Das stimmt bestenfalls in der Theorie. Welche wichtigen Kartelle hat die EU denn zerschlagen? Und warum sollte sie das tun, wenn Brüssel inzwischen die weltweite Hauptstadt der Lobbyisten und des unkontrollierten Lobbyismus ist? Die EU wird de facto von Lobbyisten regiert, und kein Lobbyist würde es zulassen, dass die EU sein Kartell zerschlägt. Das zögerliche Vorgehen der EU gegen marktbeherrschende US-Internetkonzerne wie Google oder Microsoft spricht doch Bände.

Die EU setzt ihre Marktmacht nur gegen vermeintlich schwächere Gegner ein, siehe die Sanktionen gegen alle möglichen kleinen Staaten auf dieser Welt.

Der Spiegel erwähnt in seiner Titelstory China als regelrechtes Vorbild, weil es sich den Zöllen und anderen Drohungen von Trump erfolgreich widersetzt hat. Aber das konnte China nur tun, weil es beispielsweise die US-Internetkonzerne nicht ins Land gelassen und eigene Alternativen entwickelt hat.

Auch wenn der Spiegel an anderer Stelle seiner Titelstory etwas anderes behauptet, aber gegen die USA und ihre Konzerne kann die EU – anders als China – gar nicht vorgehen, weil sie von den USA zu abhängig ist. Die USA könnten mit der Umleitung von LNG-Tankern, der Sperrung von Cloud-Diensten und anderen, wirklich schmerzhaften Maßnahmen antworten, was die EU sofort zum Einknicken zwingen würde.

Dass die Spiegel-Redakteure beim Thema IT und KI in Illusionen leben, zeigt auch dieser Absatz der Titelstory:

„Doch politischer Druck wird nur wirken, wenn Europa langfristig auch technologisch mithalten kann. Gegenwärtig scheint der Vorsprung der USA gerade bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz uneinholbar. Alle großen Firmen sitzen in Kalifornien, allein in diesem Jahr sollen mehr als 500 Milliarden Dollar in die neue Technologie fließen. Aber Europa hat schon einmal bewiesen, dass es in der Lage ist, eine strategisch wichtige Industrie aufzubauen.“

Der Spiegel fordert also, dass Europa beim Thema KI aufholen soll.

Dazu hätte ich eine Frage: Hat den Spiegel-Leuten eigentlich schon mal jemand erzählt, wie energieintensiv KI ist? In den USA hat Trump den amerikanischen IT-Konzernen gerade erlaubt, für ihre extra für die KI neu gebauten Rechenzentren eigene Stromkraftwerke zu bauen, um den Energiebedarf decken zu können. Und dabei geht es nicht um Windmühlen oder Solaranlagen, sondern um Gas-, Öl- oder sogar Atomkraftwerke.

In der EU wäre das undenkbar, weil es nicht zu der Saga der Klima-Fanatiker passt. KI ist in der EU nicht zuletzt wegen der Energiewende chancenlos, weil Strom aufgrund der selbstmörderischen Energiepolitik Brüssels in Europa viel zu teuer ist.

Irgendjemand muss den Fantasten in der Spiegel-Redaktion mal erklären, dass ihre Forderungen nach einer gezielten Förderung der Wirtschaft und nach einer Aufholjagd in Bereichen wie KI unrealistisch sind, solange die EU der schädlichen grünen Energiepolitik folgt, denn eins geht nur: Die teure Energiewende, oder niedrige Energiekosten für eine florierende Wirtschaft inklusive einer Chance auf die Entwicklung eigener europäischer KI-Modelle.

Es könnte so einfach sein…

Wie eingangs gesagt, war diese Titelstory des Spiegel ein recht wirres Absurditätenkabinett aus unrealistischen Ideen, geopolitischem Unverständnis und Traumtänzerei.

Alleine kann sich Europa in der neuen Weltordnung nicht gleichzeitig gegen China, Russland, Indien und die USA behaupten. Europa braucht im Kampf gegen den “US-Imperialismus” also Partner, wie der Spiegel ja auch selbst schreibt. Aber wer soll das sein?

China fällt aus, denn die Mentalitäten sind zu verschieden und China ist für die EU ein Konkurrent im Kampf um Rohstoffe, aber niemals ein strategischer Partner. Ja, China würde mit Europa sicher gerne in ausgewählten Bereichen von Wirtschaft und Handel zusammenarbeiten, wovon beide profitieren würden, aber mehr auch nicht.

Bei Indien ist Sache ähnlich, wie bei China. Eine strategische Partnerschaft ist undenkbar, und sei es nur, weil Indien sich der Blockfreiheit verpflichtet fühlt und sich daher an keinen festen Partner binden, sondern mit allen zusammenarbeiten will, wo es allen Beteiligten nutzt.

Afrika ist kein einiger Block, mit dem man eine gemeinsame Politik machen könnte. Außerdem kommt das große Misstrauen der Afrikaner gegenüber den großen europäischen Ländern wegen der unvergessenen Kolonialzeit hinzu. Afrika kommt also auch nicht in Frage.

Die USA fallen aus, denn die heutigen Probleme Europas sind ja das Ergebnis der bisherigen Zusammenarbeit mit den USA.

Bleibt nur noch Russland.

Wenn man Europa retten will, hilft leider nur, sich schnellstmöglich wieder mit Russland gut zu stellen, denn Russland könnte Europa all das geben, was es braucht: Unbegrenzten Zugang zu Rohstoffen und Energie, einen großen Absatzmarkt für europäische Produkte und so weiter. Und im Gegensatz zu den USA hat Russland seine Gaslieferungen nie als Druckmittel genutzt.

Aber das ist mit dem heutigen politischen Personal in der EU undenkbar, weil – und damit schließt sich der Kreis – dieses Personal aus Transatlantikern, also Anhängern der Vasallenstrategie gegenüber den USA, rekrutiert wurde, dem der Hass auf alles Russische mit der Muttermilch eingeflößt wurde.

Daher sieht es für Europa düster aus, wenn kein Wunder passiert. Da helfen auch alle optimistischen Spiegel-Titelstorys nichts.

 

 

Die aktuelle Spiegel-Titelstory zeigt unfreiwillig, warum die EU am Ende ist