Weit mehr als 100 E-Busse sind außer Betrieb. Die gesamte Ebusco-Flotte wartet auf Reparatur. Viele Berliner Doppeldecker sind ebenfalls nicht einsetzbar.
Ist das kalt! Damit Berlins Elektrobusse auch während der jetzigen Frostperiode funktionieren, parken sie nachts in der Halle und werden vor dem Einsatz an Ladesäulen aufgewärmt. Doch die einsatzfähige Flotte ist deutlich geschrumpft. Jetzt bestätigten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), dass das Problem mit den Fahrzeugen des niederländischen Herstellers Ebusco größer ist als bisher berichtet. Mit der elektrischen Antriebstechnik hat es allerdings nichts zu tun.
Nicht nur ein Teil dieser Flotte steht derzeit still, sondern offenbar der gesamte Ebusco-Busbestand. Aus anderen Gründen kann das Landesunternehmen auch einige Dutzend Doppeldeckerbusse nicht einsetzen. Die „Große Gelbe“ warten in der Werkstatt auf Techniker.
Sie sind ein unverzichtbarer Teil des Nahverkehrs. Mehr als 1600 Busse helfen mit, die Mobilität in Berlin zu sichern. Allein 2023, so die jüngste Zahl, wurden sie für mehr als 450 Millionen Fahrten genutzt. Die meisten dieser Fahrzeuge werden mit Diesel betankt. Während U- und Straßenbahnen bereits elektrisch fahren, treibt das Landesunternehmen auch die Elektrifizierung der Busflotte voran.
Ende des vergangenen Jahres berichtete die BVG, dass 227 Elektrobusse zum Bestand gehören. Damit betreibt das Unternehmen eine der größten E-Bus-Flotten Deutschlands, hieß es. In diesem Jahr sollen 50 weitere Fahrzeuge hinzukommen. Bis Ende 2027, so die weitere Planung, soll die Flotte auf 550 Elektrobusse anwachsen. So der Plan.
„Das betrifft aktuell fast alle Busse dieses Typs“
Doch nun zeigt sich, dass das größte kommunale Verkehrsunternehmen in Deutschland mit einem Rückschlag zurechtkommen muss. Dabei geht es nicht um Akkus, Getriebe oder andere Antriebstechnik. Der Grund liegt auch nicht bei der BVG, es ist eine externe Ursache.
„Bei Bussen des Herstellers Ebusco gibt es momentan – wie bereits kommuniziert – ein Garantiethema“, teilte ein BVG-Sprecher auf Anfrage mit. „An den betroffenen Bussen wurden bei Routinekontrollen frühzeitig kleine Risse am Fahrzeugrahmen erkannt. Da für die Busse eine Garantie besteht, wird der Hersteller die Reparaturen übernehmen. Ein Sicherheitsrisiko bestand zu keinem Zeitpunkt.“ Auch jetzt nicht.
Das angesprochene „Garantiethema“ bedeutet jedoch, dass die Busse für die Fahrgastbeförderung ausfallen. „Wie bei Garantiefällen üblich, werden die betroffenen Busse bis zur Behebung der Schäden nicht eingesetzt. Das betrifft aktuell fast alle Busse dieses Typs“, erläutert der Sprecher. Die BVG-Flotte der Fahrzeuge vom Typ Ebusco 2.2 besteht aus 90 Elektrobussen. „Die Busse stapeln sich auf ihrem Heimat-Betriebshof Indira-Gandhi-Straße“, berichtete ein BVGer. Zuletzt hieß es, dass 70 von 90 Ebusco-Fahrzeugen ungenutzt auf der Seite stehen.
Ältere Dieselbusse werden vorerst nicht ausgemustert
„Die angeblich in China gefertigten Fahrzeugrahmen haben Risse, die von Ebusco ab Frühjahr 2026 repariert werden sollen“, erklärte ein Bus-Experte. Auch die Klebetechnik stünde im Fokus, bekräftigte der Insider. Es gehe um die Stabilität der Rahmen und der Wagenkästen – eine statische Frage, die für die Betriebssicherheit wichtig sei.
„Für unsere Fahrgäste soll es dadurch zu keinen nennenswerten Einschränkungen kommen. Um den Betrieb stabil zu halten, nutzen wir unsere Fahrzeugreserve und setzen zum Teil größere Fahrzeuge ein“, teilte der BVG-Sprecher mit. Dieselbusse werden umgesetzt, zur Freude der Fahrgäste springen auch Elektro-Gelenkbusse von Solaris in die Bresche. „Zudem prüfen wir weitere Maßnahmen“, so die BVG.
„Eine dieser Maßnahmen ist das zeitweilige Aussetzen der Ausmusterungsstrategie älterer Fahrzeuge.“ Dem Vernehmen nach sollen nun Busse von VDL und Scania länger betrieben werden. Einige Scanias müssen für den Einsatz aber erst einmal kostspielig ertüchtigt werden, so der BVG-Insider. „Es wäre wahrscheinlich kostengünstiger, eine ordentliche Reserve vorzuhalten. Doch auch dieser Bereich ist auf Kante genäht.“ Der BVG-Beschäftigte sagte, dass wegen der Ebusco-Malaise durchaus Fahrten ausfallen, weil Personalreserven fehlen.
Zudem binden Ersatzverkehre auf U-Bahn-Linien bereits viele Busse. Deshalb mietet die BVG nun vorübergehend bis zu 20 zusätzliche Busse an, die nach Alt-Tegel (SEV U6) eingesetzt werden. Die Euro-6-Diesel-Fahrzeuge sind vollständig barrierefrei. Berichten zufolge gehören die derzeit 19 Busse der Firma Schröder, das Fahrpersonal stammt überwiegend von Gulliver. Die derzeitigen SEV-Busse stehen damit für den normalen Linieneinsatz zusätzlich zur Verfügung.
Elektrobusse anderer Hersteller haben sich als zuverlässiger erwiesen. Aber auch in ihrem Fall zeigen Informationen, die der Berliner Zeitung vorliegen, dass zahlreiche Fahrzeuge nicht eingesetzt werden – nach jetzigem Stand fast 30, was die Ausfälle in der E-Bus-Flotte auf fast 120 hochtreibt. Betroffen sind E-Busse der Typen Mercedes-Benz Citaro EE19 und Solaris Urbino Electric. Bei der BVG heißen sie EE19 und EE20.
„Falsche und schlechte Schweißnähte, Rost“
Unter dem Motto „Welkom in Berlijn“ hatte die BVG den Niederländern Ende August 2022 im Hof Indira-Gandhi-Straße in Hohenschönhausen einen großen Bahnhof bereitet. Der damalige Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) fuhr im ersten Ebusco eine Runde mit. Lob gab es vor allem für die Reichweite, die mit 290 Kilometer beziffert wurde.
Doch die Serienlieferung begann 2023 erst später als angekündigt. Chip-Engpässe, ein Brand bei einem Zulieferer, Lockdowns und der Krieg Russlands gegen die Ukraine verzögerten das Projekt. Als die Fahrzeuge endlich da waren, kam trotzdem keine Freude auf.
„Fehlender Unterbodenschutz, falsche und schlechte Schweißnähte, Rost und abgebrochene Gewindebohrer sind schon eine erschreckende Bilanz“, so die damalige Kritik. Damit nicht genug: 2024 geriet Ebusco in eine tiefe wirtschaftliche Krise, andere Fertigungen wurden gestoppt.
Auch bei den Doppeldeckern hat die BVG mit einigen Themen zu tun. Die „Großen Gelben“, die früher in anderer Form das Straßenbild in den Westbezirken prägten, sind rar geworden. Informationen von Bus-Fans lässt sich entnehmen, dass von der mehr als 190 Doppeldecker umfassenden Flotte der ADL DL20 und DL21 momentan 36 Busse nicht eingesetzt werden. Alle Fahrzeuge werden mit Diesel betrieben, sie stammen vom britischen Hersteller Alexander Dennis (ADL).
„Die Verfügbarkeit unserer Doppeldecker entwickelt sich insgesamt stabil. Durch planmäßige Werkstattaufenthalte oder einzelne Unfallschäden kann es hier zu kurzfristigen Schwankungen kommen“, teilte der BVG-Sprecher mit. Er räumte allerdings ein: „Derzeit liegt die Zahl einsatzfähiger Fahrzeuge leicht unter unserem Zielniveau.“
Beliebt bei Fahrgästen: Berlins Doppeldeckerbusse
In früheren Jahren wurden die Ausfälle meist mit Garantiearbeiten begründet. Betroffen waren unter anderem die Klimaanlagen in den Enviro 500, die pro Stück rund eine halbe Million Euro gekostet haben.
„Klima undicht“, „Keilriemen fehlt“, „Keilriemen und Riemenspanner fehlen“: Das vermerkten BVG-Techniker damals häufig. Am 20. Januar 2024 brannte Bus 3709 am S-Bahnhof Lichterfelde Süd aus – vermutlich nach einer Brandstiftung. Bei Fahrgästen sind die Doppelstockbusse beliebt, weil relativ viele von ihnen im Sitzen reisen können. Die Doppeldecker haben 83 Sitz- sowie 45 Stehplätze.
