Die deutschen Gasspeicher sind historisch leer. Nur ein milder Winter verhindert jetzt noch die kritische Schwelle von 20 Prozent.
Frankfurt – Ob es in Frankfurter Wohnungen kalt werden könnte, wenn der Winter so kalt wird – diese Frage treibt Besitzer von Gasheizungen um. 2024 verkaufte die Mainova AG rund elf Milliarden Kilowattstunden (elf Terawattstunden) Erdgas in Frankfurt. Derzeit leeren sich die Gasspeicher in Deutschland jedoch rasch. Ab einem Füllstand von 20 Prozent tritt die Gasmangellage ein. Dann werden große Verbraucher wie Schwimmbäder, gegebenenfalls auch Industrieanlagen, vom Netz genommen.
Noch 42,31 Prozent Gas in den Speichern
Bei 42,31 Prozent lag der Füllstand aller deutschen Gasspeicher am 18. Januar. Vor einem Jahr lag er an diesem Tag bei 64,95 Prozent. Zuletzt, vom 17. auf den 18. Januar, sanken die Gasspeicherstände um 0,45 Prozent. Die Daten stammen von https://agsi.gie.eu/, auf das die Bundesnetzagentur verweist. Die Abnahmemenge von 0,45 Prozent entspricht etwa 1,12 Terawattstunden – dank der milden Witterung. In den kalten Tagen der Vorwoche gingen rund drei Terawattstunden täglich weg. Der Füllstand der deutschen Gasspeicher entsprach am 18. Januar 106,26 Terawattstunden. 2025 waren die Speicher an diesem Tag noch mit 163,37 Terawattstunden gefüllt.

Die Bundesnetzagentur verweist darauf, dass Deutschland Gas importiert, zuletzt täglich rund 3,3 Terawattstunden. Davon kommen aus Norwegen rund 1,3 Terawattstunden. Der Anteil der über LNG-Terminals angelieferten Menge mit rund 400 Gigawattstunden entspricht nur rund 15 Prozent aller Importe. Die Werte schwanken täglich.
Großhandel reagiert mit Preissteigerungen
Von dieser Importmenge muss man jedoch zuletzt rund 0,8 Terawattstunden Gasexporte aus Deutschland in die Nachbarstaaten abziehen. Unter dem Strich importiert Deutschland zurzeit etwas mehr Gas, als es täglich verbraucht. Ergebnis: Nur wenn der Winter so mild bleibt, tritt die Gasmangellage nicht ein.
Der Verband der Gasspeicherbetreiber, Ines, legt alle zwei Monate ein Update seiner Einschätzung vor. Die jüngste Abschätzung ist am Dienstag gekommen. Demnach sind die „Speicherfüllstände mittlerweile auf einem historisch niedrigen Niveau“. Ines zeigt in seinen Szenarien, dass es „bei extrem kalten Temperaturen zu Unterdeckungen kommen kann“. Dies zeige sich zunächst durch starke Preissteigerungen. An den Großhandelsmärkten stiegen die Preise bereits.
Der Winter 2024/25 endete am 1. April 2025 mit einem Füllstand von 29 Prozent. Der Winter startete jedoch mit einem Füllstand von mehr als 90 Prozent. In diesem Winter sieht es weniger gut aus. Die Speicher waren im Herbst lediglich zu 75 Prozent gefüllt. Das heißt, es bleibt bis ins Frühjahr hinein ein riskantes Vabanque-Spiel, über 20 Prozent zu bleiben. (Thomas Schmidt)
