22. Januar 2021

Der Rettungsanker

Foto: by Maria Lourdes

Die Lage ist schlimm, aber ohne alternative Medien wäre sie schlimmer. So manche Leserzuschrift, die reinkommen, lauten ungefähr: „Ohne euch wäre ich verzweifelt.“ Warum?

Das Szenario, das von den Mächtigen und „ihren“ Medien ausgebreitet wurde, hätte die Menschen in einer lichtlosen Welt allein gelassen. Sie hätten an ihrem Verstand gezweifelt, dem das Verhalten und die Aussagen einer überwältigenden Mehrheit widerstreben. Die Zweifler in der Corona-Frage konnten sich bisher nicht durchsetzen — aber sie haben den Menschen das Angebot einer alternativen Deutung der Geschehnisse gemacht, die ihre Wirkung entfalten wird.

Der Rettungsanker

Ein Beitrag von Roberto J. De Lapuente – Mein Dank, sagt Maria Lourdes!

Schon vor der Pandemie habe ich mich dann und wann gefragt, wer von den Menschen, die mir im Alltag begegnen, wohl welche Zeitung liest. Liest er oder sie überhaupt eine Zeitung? Guckt er nur Fernsehen? Konsumiert er auch alternative Medienangebote im Internet? Das war manchmal kaum herauszufinden. Seit es das Coronavirus gibt, scheint das sehr viel leichter zu gehen. Drei, vier Sätze zum Thema — und ich sage Ihnen, was Sie lesen.

Das Virus hat einen tiefen Graben zwischen etablierten Massenmedien und den sogenannten alternativen Medien gezogen. Wer sich nur bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten, bei privaten Sendern oder den Druckerzeugnissen der sich selbst als Qualitätsjournalismus bekennenden Verlage informiert, hat einen ganz anderen, staatstragenden, ja unkritischeren Kenntnisstand der Lage. Er blendet ganze Handlungsstränge aus, wie eben die zunehmende soziale Deprivation oder die wachsende Schieflage am Arbeitsmarkt.

Abhängig, parteiisch und Tunnelblick

Von einer „Verengung der Welt” sprachen Dennis Gräf und Martin Henning. Die beiden Medienforscher vom Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität in Passau haben von Mitte März bis Mitte Mai die Sondersendungen von ARD und ZDF zur Coronapandemie untersucht. Für sie gab der Journalismus ein klägliches Bild ab. Der massenmediale Tunnelblick entsprach nicht den journalistischen Standards.

Das „permanente Krisen- und Bedrohungsszenario“ hätte wie „Endzeiterzählungen und Zombiegeschichten“ gewirkt. Ständig habe man leere Fußgängerzonen gesehen, von einer lang anhaltenden Krise wurde gesprochen, obgleich es dafür zunächst gar keine Belege gab. Corona in Dauerschleife habe die Ängste verstärkt. Zudem wurden Heldengeschichten über Pflegekräfte erzählt und Staatsvirologe Drosten glorifiziert.

Die beiden Medienforscher zeigten sich irritiert, sprachen von „Inszenierungsstrategien“, die angewandt wurden. Mit journalistischer Sachlichkeit habe das alles nichts zu tun. Insofern kann man festhalten, dass der Medienbetrieb als Choreograph der Krise wirkte, dabei die Rolle des kritischen Begleiters aufgab, sich lieber um die Darstellung und nicht um die Beleuchtung verschiedener Blickwinkel bemühte.

Auf diese kuriose Weise nahmen die Medien eine parteiische Haltung ein, begaben sich in eine Abhängigkeit zur Politik, die diese wiederum als Verlautbarungsorgan missbrauchte. Die sollten jetzt die Menschen nicht mehr nur informieren, sondern auch schulen, sensibilisieren, sie auf den rechten Weg lotsen. Schnell verstiegen die Journalisten und Redakteure sich dazu, Kritiker des Regierungskurses als „Wirrköpfe und Spinner“ zu titulieren — die Hemmungen fielen schnell, die Nüchternheit wich vollends. Das letzte Quäntchen Berufsethos dieses Journalismus, der ohnehin schon vor der Pandemie in der Krise steckte, bröckelte jetzt vollumfänglich weg.

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