15. Mai 2021

Foto: anti-spiegel

Der Eurovision-Song-Contest als Instrument der westlichen Propaganda

Wo überall verdeckte Propaganda für die Politik des Westens versteckt ist, ist immer wieder überraschend. Dabei wird oft sehr unterschwellig gearbeitet, indem auch bei unpolitischen Themen Sympathien oder Antipathien entsprechend den Narrativen des Westens befeuert werden. In diesem Jahr wird das beim Eurovision-Song-Contest besonders offensichtlich.

Politische Propaganda findet nicht nur in den Nachrichten statt. Besonders gerne werden dafür auch Unterhaltungsformate genutzt, weil die auch politisch weniger interessierte Menschen erreichen und auch bei denen die gewünschten Narrative ins Unterbewusstsein pflanzen. Ich habe zum Beispiel mal über eine Weihnachts-Sendung der ARD berichtet, in der Ausländer den Zuschauern zeigen konnten, wie sie in Deutschland ihre Weihnachtstraditionen leben. Dabei durfte ein Russe nicht fehlen und natürlich waren in der Sendung viele unterschwellige Aussagen eingebaut, die Russland in ein schlechtes Licht stellen sollten. So wurde zum Beispiel – absolut wahrheitswidrig – behauptet, in Russland sei es schwierig, frische Lebensmittel wie zum Beispiel Mohrrüben zu kaufen. Details dazu finden Sie hier.

Das ist nur eines von unzähligen Beispielen dafür, wie westliche Medien keine noch so unpassende Gelegenheit auslassen, um anti-russische Narrative zu verbreiten. Dabei darf auch kräftig gelogen werden, denn der durchschnittliche Fernsehzuschauer war ja nie in einem russischen Supermarkt.

Der Eurovision-Song-Contest als Propaganda-Instrument

Ein besonders auffälliges Beispiel ist der Eurovision-Song-Contest, der spätestens seit 2016 zur Unterstützung der westlichen Narrative missbraucht wird und von Menschen gesehen wird, die sich für Politik eher weniger interessieren. 2016 wurden dort die Regeln geändert. Vorher durften die Zuschauer per Telefonabstimmung entscheiden, wer den Contest gewinnt. Dieses demokratische System hat offensichtlich gestört, denn seit 2016 vergeben nationale Jurys die Hälfte der Punkte, womit das Ergebnis lenkbar geworden ist.

Das mag nach einer Verschwörungstheorie klingen, aber die Ergebnisse ab 2016 sprechen für sich. 2016 hat prompt der ukrainische Beitrag gewonnen. Das mag Zufall gewesen sein, aber es war auch ausgesprochen praktisch. Damit war Kiew 2017 der Ausrichter des Song-Contests und prompt wurde die russische Künstlerin nicht zur Teilnahme zugelassen, weil Kiew ihr kurzerhand die Einreise in die Ukraine verboten hat.

Die Künstlerin war Julia Samoilowa, die nach westlichen Kriterien eigentlich eine Sympathieträgerin sein müsste. Sie ist schwerbehindert, sitzt im Rollstuhl, hat aber eine sehr schöne Stimme und ist eine wirklich gute Sängerin. Sie durfte erst 2018 teilnehmen. Über Musikgeschmack lässt sich bekanntlich streiten und ob sie mit ihrem Lied Chancen gehabt hätte, ist spekulativ. Fakt ist aber, dass sie 2018 prompt in der Vorrunde ausgeschieden ist und damit nicht einmal eine Platzierung bekommen hat. Es war das erste Mal in der Gesichte des Song-Contests, dass Russland in der Vorrunde ausgeschieden ist.

Ist der Eurovision-Song-Contest unpolitisch?

In diesem Jahr trifft es Weißrussland. Die Veranstalter haben Weißrussland mitgeteilt, dass es disqualifiziert wird, wenn es kein anderes Lied einreicht. Der Grund: Der Text des eingereichten Liedes sei politisch und der Song-Contest sei unpolitisch.

Das ist so dreist, dass man sich die Augen reibt. Der Grund: Ausgerechnet der Text des ukrainischen Liedes, das 2016 den Contest gewonnen hat, war hochpolitisch. Das hat aber damals niemanden gestört. Ich werde hier die deutschen Übersetzungen beider Lieder verlinken und Sie können selbst beurteilen, ob Sie meiner Einschätzung zustimmen.

Ukraine 2016

Zunächst zum Text des ukrainischen Sieger-Liedes von 2016. In dem Lied „1944“ hat die Sängerin auf Englisch zum Beispiel gesungen:

„Wenn Fremde kommen
Kommen sie zu eurem Haus
Sie töten euch alle
Und sagen
Wir tragen keine Schuld“

Das war vor dem Hintergrund des Bürgerkrieges in der Ukraine hochpolitisch und wenn man weiß, dass die Lieder fast ein Jahr vor dem Contest eingereicht werden, dann weiß man, dass dieser Text vor dem Hintergrund der Ereignisse von 2015 ausgewählt wurde, als der Bürgerkrieg in der Ukraine noch die Schlagzeilen beherrscht hat. Es war also ein klar anti-russisch gemeinter Text, der auf die angebliche „russische Aggression“ angespielt hat. Die Botschaft sollte man in ganz Europa verstehen, daher hat sie auf Englisch und nicht auf Ukrainisch gesungen.

Der Text endete mit den Worten:

„Ich konnte meine Jugend dort nicht verbringen,
Weil ihr mir mein Land wegnahmt
Ich konnte meine Jugend dort nicht verbringen,
Weil ihr mir mein Land wegnahmt
Ich konnte mein Vaterland nicht haben“

Das war aber kein politischer Text, sagen die Veranstalter des Eurovision-Song-Contests.

Weißrussland 2021

Dafür soll der Text der weißrussischen Teilnehmer 2021 furchtbar politisch sein. Sie singen auf Russisch, das Publikum in Europa kann den Text also nicht einmal verstehen. Um nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sein, ich würde etwas verschweigen, übersetze ich den gesamten Text des weißrussischen Liedes.

Schau nach vorne, vergiss, was war.
Lass das Gestrige los
Befrei Dich aus der Enge, ohne (dich mit) Seife (einzuschmieren)
Du wirst nur das Beste erschaffen.
Streich die Geschichte
Der Hafer ist, wie Du siehst, nicht für das Pferd
Ohne die Vergangenheit wird alles leicht.
Hör mir einfach zu.
Verändere die vermoosten Fundamente
Die freie Welt ist unvermeidlich
Das Unmoderne ist unwürdig
Retrograd ist inakzeptabel 
(Anm. d. Übers.: Retrograd ist eine Umschreibung für Nostalgie für das Gestern)
(Refrain)
Ich werde Dir beibringen, wie man zur Melodie tanzt.
Ich werde Dir beibringen, wie man an der Angel hängt.
Ich werde Dir beibringen, wie man an der Leine geht.
Du wirst mit allem zufrieden sein, Dich über alles freuen.
Ich mache Dir die Musik dazu.
Ich reiche Dir die Welt auf dem Tablett.
Ich verwandle Deine Sorgen in Witze.
Dir geht es doch alleine besser.
(Ende Refrain)
Schlafe auf dem Pflug, während die Nacht tobt
Zu den Sternen ist es noch weit
Sollen die Pferde im Feuer pflügen
Mach ihnen die Furchen nicht kaputt.
Schau Dir das das Gemüse, das ganze Fleisch an
Lecke dran, auch wenn Du wütend bist.
Träume von neuem Tand
Den kann man übrigens auf Kredit kaufen.
(Refrain)

Was ist an diesem Text nun so politisch, dass die Veranstalter des Eurovision-Song-Contests ihn verbieten wollen? Zumal ihn außerhalb der russischsprachigen Länder ohnehin niemand versteht. Man kann ihn durchaus als Kritik an der Konsumgesellschaft und daran auffassen, wie (im Westen) die eigenen Traditionen bekämpft werden. So dürfte der Text auch gemeint sein. Das wäre aber Gesellschaftskritik und die ist doch eigentlich von jeher ein Teil der Musik.

Entscheiden Sie selbst: Sehe ich Gespenster oder ist der Eurovision-Song-Contest mittlerweile nur noch ein Instrument zur Unterstützung der vom Westen propagierten anti-russischen Narrative?

Quelle