12. Mai 2021

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Ganz effizient die Wälder verpulvern

Was bundesdeutsche Industrielle unter „effizient und klimaneutral“ verstehen

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energieträger hat man es im Bundeswirtschaftsministerium nicht so. Die im Dezember mit einem Entschließungsanstrag versprochenen, dringend erforderlichen Nachbesserungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz lassen weiter auf sich warten.

Das könnte auch daran liegen, dass der Einfluss des Netzwerks der Windkraftgegner nicht unerheblich ist, und führende Energiepolitiker der Union wie Georg Nüßlein (CSU), Bareiß und Joachim Pfeiffer (beide CDU) nicht nur herzlich wenig Interesse zeigten, sondern inzwischen wegen Maskenaffäre und anderem Korruptionsverdacht ziemlich plötzlich kalt gestellt wurden. Pfeiffer hatte für die Union bisher die Gespräche mit dem Koalitionspartner SPD über die EEG-Nachbesserungen geführt.

Unter anderem braucht es Klarstellungen zur Beteiligung der Kommunen aus den Einkünften der Windenergie, die Beseitigung diverser Hürden im Ausschreibungsverfahren sowie eine Regelung, die es erlaubt, die in früheren Ausschreibungsrunden nicht vergebenen Ausbauvolumina erneut anzubieten, heißt es beim Bundesverband Windenergie. Auch müssen die Ausbauziele erhöht werden, um sie an die – unzureichenden – Klimaziele anzupassen.

Mehr Biomasse?

Wenn es um die Interessen von Kohlekraftwerksbetreibern geht, ist das Altmaier-Ministerium derweil deutlich schneller. Wie das Handelsblatt schreibt, arbeitet das Ministerium gerade an einem Förderprogramm für Kohlekraftwerke, die auf Erdgas oder Biomasse umsteigen wollen.

Flankiert werden diese Arbeiten von einem Gutachten, das das Verbrennen von Biomasse in den Kohlekraftwerken finanziell unterstützt haben möchte. Durchschnittlich 3,7 Cent pro Kilowattstunde seien über einen Zeitraum von zehn Jahren gültig.

Zum Vergleich: Den zahlreichen 2021 nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung herausfallenden Windkraft-Altanlagen, die mit den derzeit extrem niedrigen Stromgroßhandelspreisen nicht wirtschaftlich zu betreiben sind, will man gerade mal 2,5 Cent pro Kilowattstunde für ein halbes Jahr zugestehen. Ab Ende 2021 könnten daher mehrere Gigawatt Windkraftleistung wegfallen und die Gesamtkapazität wegen schleppenden Neubaus erstmals abnehmen.

Wald in Gefahr

Mit Biomasse ist vor allem Holz gemeint, was in Zeiten hohen Schadholzanfalls vielleicht sogar sinnvoll erscheint. Allerdings geht es um Größenordnungen, die leicht zur Bedrohung der Wälder werden kann. Verschiedene Umweltverbände warnten im November vergangenen Jahres, dass die Wälder viele Jahrzehnte brauchen, um die verfeuerte Kohlenstoffmenge der Atmosphäre wieder zu entziehen.

Zudem sei zu erwarten, dass nach dem Verbrauch des Schadholzes auf Holzimporte umgestiegen werde, deren Herkunft und Umweltverträglichkeit noch schlechter zu kontrollieren ist.

„Befeuert werden diese Debatten von internationalen Investoren in Deutsche Holzbiomasse-Kraftwerke oder dem US-Holzpellet-Riesen Enviva, die mit großem Aufwand als Lobbyisten die politische Landschaft in Deutschland bearbeiten.“
Erklärung verschiedener Umweltverbände

Auftraggeber des Gutachtens sind übrigens die EnBW, zu 50 Prozent im Besitz des grün-schwarz regierten Baden-Württembergs, besagte Enviva und Onyx Germany, Ableger des global im Energiesektor tätigen Investment Fonds Riverstone. Unter anderem betreibt Onyx ein brandneues, 2015 in Wilhelmshaven in Betrieb genommenes 731-Megawatt-Steinkohlekraftwerk.

Von wegen Arbeitsplätze

Die Anlage wurde erst 2019 erworben, also als die Debatte über den Kohleausstieg längst entbrannt war, offensichtlich in der Absicht, aus der Situation und den anstehenden Übergang in der Stromversorgung noch möglichst viel Gewinn schlagen zu können.

Nebenbei ist das moderne Werk übrigens auch ein gutes Beispiel, dafür, was von dem oft angeführten Arbeitsplatzargument zu halten ist. Union und SPD treibe die Sorge um die Beschäftigten um, wird auch von Journalisten gerne kolportiert, wenn sie die Schwierigkeiten der genannten Parteien mit der Energiewende und Klimaschutz beschreiben.

Nach Angaben des Unternehmens arbeiten in dem Wilhelmshavener Kraftwerk etwa 90 Beschäftigte, in allen deutschen Steinkohlekraftwerken sind es es etwa 7.000 bis 8000. Weitere rund 20.000 sind in der Braunkohle mit Abbau und Verstromung beschäftigt.

In der Solar- und zuletzt auch in der Windindustrie sind hingegen durch die Politik der letzten beiden Bundesregierungen über 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Ein Kraftwerk wie das Wilhelmshavener auf Holzbefeuerung umzustellen, wäre besonders bedenklich. Bei seiner Größe kann nämlich nur ein Bruchteil der anfallenden Wärme genutzt werden. Der ganz überwiegende Teil müsste ungenutzt an die Umwelt abgegeben würden, womit der größere Teil der im Holz gebundenen Energie einfach verpulvert würde.

Von Effizienz keine Spur

Als wäre das noch nicht genug, träumt Onyx-Power-Chef Peter Feldhaus auch noch davon mit dem erzeugten Strom „effiziente und klimaneutrale Wasserstoffelektrolyse“ zu betreiben.

Erstaunlich ist, dass das Handelsblatt, das sicherlich auch intelligente Leserinnen und Leser hat, derlei unwidersprochen abdruckt.

Bei Wasserstoff geht nämlich durch Elektrolyse und Umwandlangsverlusten in den Motoren oder Brennstoffzellen etwas über die Hälfte der Energie verloren, die zu seiner Erzeugung eingesetzt wird, verloren. Insbesondere, wenn die Abwärme nicht genutzt werden kann.

Feldhaus schlägt also vor, Wälder abzuholzen, in überdimensionierten Kraftwerken zu verbrennen, die nicht einmal die Abwärme nutzen können und daher einen Wirkungsgrad von unter 50 Prozent haben, und mit Wiederum nur rund 50 Prozent Gesamtwirkungsgrad Wasserstoff zu erzeugen.

Was bundesdeutsche Industrielle eben so unter „effizient und klimaneutral“ verstehen

Quelle: TELEPOLIS