9. Juni 2026

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Politiker gönnen sich 55 Tage XXL-Urlaub: Vom WM-Ausflug gleich in die Sommerpause

 

Energie-Krise, extrem hohe Teuerung, Massenzuwanderungs-Kriminalität – all das kümmert die heimischen Politiker 55 Tage lang kaum bis gar nicht: Österreichs Parlament macht fast zwei Monate Sommerurlaub, Kanzler und Vizekanzler jetten zuvor noch zur Fußball-WM in die Vereinigten Staaten.

von Richard Schmitt

Während viele Österreicher im Sommer entweder durcharbeiten oder mühsam zusammengesparte Urlaubstage nutzen, gönnt sich der Nationalrat eine der längsten parlamentarischen Auszeiten Europas. Die sogenannte tagungsfreie Zeit dauert in Österreich heuer erneut acht Wochen. Ein Relikt aus alten Zeiten, bürgerfern und wenig zeitgemäß in einer Welt voller komplexer Herausforderungen.

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) verschönern sich die Arbeitszeit bis zum 14. Juli auch noch dadurch, dass sie zu WM-Spielen in die USA reisen. Sportminister Babler wird am 16. Juni beim ersten Gruppenspiel des ÖFB-Teams gegen Jordanien in Santa Clara live im Stadion mitfiebern. Kanzler Stocker reist wenige Tage später nach Dallas und besucht dort das zweite Gruppenspiel Österreichs gegen Argentinien.

In diesem Jahr enden in Wien die Plenarsitzungen am 14. Juli, die nächste reguläre Sitzung ist für den 8. September geplant. Das ergibt von 15. Juli bis 8. September exakt 55 plenarfreie Tage (inklusive Wochenenden). In anderen Jahren beträgt die Pause etwa 57 Tage. In dieser Zeit finden auch nur begrenzt Ausschusssitzungen statt, Sondersitzungen bleiben die seltene Ausnahme. Dringende Themen liegen auf Eis. Und die Dreierkoalition rettet sich somit ohne konkrete Ergebnisse bei der Wehrdienstreform, bei dem umstrittenen Social-Media-Verbot für unter 14-jährige Jugendliche und ohne Erfolge bei der Abschiebung von Schein-Flüchltingen in einen XXL-Urlaub.

10.351 Euro brutto und trotzdem doppelt so viel Urlaub

Ein einfacher Nationalratsabgeordneter bezieht monatlich 10.351 Euro brutto (Stand 2026, bei stabiler Null-Lohnrunde). Hinzu kommen Zulagen, Spesen und oft beträchtliche Nebeneinkünfte. Für dieses Salär erwarten die Wähler eigentlich kontinuierliche Präsenz und Arbeit, im Schnitt hat ein österreichischer Arbeitnehmer nur 25 Urlaubstage pro Jahr.

Wie regeln das die Nachbarländer?

In Deutschland dauert die Sommerpause des Bundestags üblicherweise zwei Monate (Juli bis Ende August), also auch etwa 60 Tage. Die Ausschüsse arbeiten teilweise weiter, die Kritik hält sich in Grenzen. In der Schweiz gibt es keine monatelange Blockpause, das Parlament tagt in vier dreiwöchigen Sessionen pro Jahr. Die Sommersession endet Mitte/Ende Juni, die Herbstsession beginnt Mitte/Ende September – die Miliz-Politik sorgt für mehr Alltagsnähe. In Italien sind die Abgeordneten traditionell im August auf Urlaub, doch das Parlament bleibt das restliche Jahr flexibler und durchgehender aktiv. Und in Slowenien hält die Nationalversammlung eine klare Sommerpause von 15. Juli bis 1. September (also sechs bis sieben Wochen).

 

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