15. Mai 2021

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Lieferausfälle: PREISE FÜR KUNSTSTOFF ENORM GESTIEGEN

Seit Tagen blockiert das havarierte Containerschiff „Ever Given“ den Suezkanal und weckt Befürchtungen über Lieferausfälle und höhere Preise. Kunststoffhersteller klagen jedoch auch abseits des nunmehrigen folgenschweren Zwischenfalls über Verknappung von Rohstoffen.

Seit mittlerweile fünf Tagen blockiert das havarierte Groß-Containerschiff „Ever Given“ nach einem missglückten Fahrmanöver den Suez-Kanal vor Ägypten. Da die Alternativroute eine Verzögerung von Frachtlieferungen in der Größenordnung von mehr als zwei Wochen nach sich zöge, wird in vielen Wirtschaftsbereichen mit Lieferausfällen und steigenden Preisen gerechnet – auch bei den Kunststoffen.

Ever Given“ nur Spitze des Eisbergs

Die Branche ist jedoch auch unabhängig von Ereignissen wie dem jüngsten Zwischenfall im Suez in jüngster Zeit unter Druck. Wie der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, Dr. Martin Engelmann, unter Verweis auf jüngste Ergebnisse von Umfragen erläutert, klagen mittlerweile mehr als 80 Prozent der Hersteller von Kunststoffverpackungen über eine „deutliche Verschlechterung der Rohstoffversorgung gegenüber dem Jahresbeginn“.

Eine Erleichterung sei nicht in Sicht – und für die kommenden Wochen erwarten vier Fünftel sogar eine Verschärfung der Entwicklung. Die „Ever Given“ scheint dabei nur eine Spitze des Eisbergs darzustellen.

Vielmehr scheinen sich die Fälle sogenannter Force-Majeure-Meldungen („Höhere Gewalt“) durch Rohstofflieferanten in Deutschland und Europa generell deutlich zu mehren. Derzeit seien acht von zehn Verpackungshersteller von solchen betroffen.

Erste Verknappungen zeichneten sich bereits gegen Ende des Jahres ab

Engelmann appelliert vor allem an die Partner in der Kunststoff erzeugenden Industrie, den Verpackungsherstellern zu Hilfe zu kommen. Am Ende könnten die Engpässe auch die Konsumenten selbst treffen:

„Wenn die Produktion von Verpackungen mangels Rohstoffen still steht, gefährdet das auch die systemrelevante Versorgung der Bevölkerung mit sicher verpackten Lebensmitteln und medizinischen Produkten.“

Deutliche Preisanstiege im Kunststoff-Bereich

Der strenge Winter in Teilen der USA hatte Anlagenausfälle zur Folge. Dadurch konnten Hersteller etwa in Bundesstaaten wie dem von Stürmen heimgesuchten Texas nicht im vorgesehenen Umfang liefern. Die Automobilbranche sorgte ebenfalls für eine höhere Nachfrage, was auf Kosten anderer von nicht unterbrochenen Lieferketten abhängiger Branchen gehen sollte.

Die Preise stiegen dem Gesamtverband zufolge im ersten Quartal 2021 in Europa um mehr als 30 Prozent, so etwa bei Polyethylen und Polystyrol. Der Preisindex Plastixx TT weist allein für Februar im Bereich der Technischen Kunststoffe Preissteigerungen von über zehn Prozent im Vergleich zum Monat zuvor aus. Der petrochemische Ausgangsstoff Styrol verteuerte sich allein im März um 48 Prozent. Experten rechnen frühestens im Herbst wieder mit einer Beruhigung der Lage.

Zudem, so heißt es in einer Information, fehle es vielfach an Containern, die infolge der Pandemie in den falschen Häfen gestrandet seien. Das knappe Angebot und die starke Nachfrage nach Frachtkapazitäten hätten beispielsweise die Containerpreise auf der Strecke Asien-Europa seit Ende 2020 um mehr als 400 Prozent ansteigen lassen. Ein Vorfall wie jener um die „Ever Given“ erwischt dementsprechend die Branche mehr denn je auf dem falschen Fuß.

Quelle: EpochTimes